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r/v: FIDGET - 23.03.08 @ Pretty Vacant, Düsseldorf
| 25.03.08 | ||||||||||||
Rock Riffs am Tage der AuferstehungManchmal wäre es schön einen
Führerschein zu haben; z.B. vorgestern Abend am Ostersonntag:
Als ich mich per pedes in Richtung Haltestelle aufmache, ziert die
Hiobsbotschaft "Nächste Bahn in 22 min." die
Anzeigetafel. Gut also, dass sich Frau Mutter noch im fahrtüchtigen
Alter befindet und so gnädig ist, ihren Filius in die
Düsseldorfer Altstadt zu chauffieren. Als ich vorm Pretty Vacant
eintrudele und eine nicht gerade kleine Menschenmenge erblicke, macht
sich ein Gedanke der Erleichterung breit - "Glück gehabt,
bin wohl noch pünktlich" - der alsbald aber vom inneren
Monolog "Verdammt, ist das kalt und die Schlange bewegt sich kein
Stück" abgelöst wird. Was nun? Noch ist etwas Zeit bis die ersten Akkorde aus den Boxen schallen. Also erst mal ein teures 0,3er Pils bestellt und hier und da shake hands, auch wenn ich den meisten vom Sehen bekannten Gesichtern keine Namen zuordnen kann. Ich probiere die Sitzgelegenheiten aus, stelle aber zügig fest, dass sie aufgrund ständig vorbeischlendernder Menschen auch keinen großen Komfort bieten. "Es geht los!" höre ich plötzlich jemanden sagen und schließe mich der gen Keller strömenden Masse an. Drei hagere männliche Personen betreten die Bühne. "Die sind aber ganz schön jung, die von Fidget" und "Wo sind die anderen zwei?", denke ich mir, bevor mir bewusst wird, dass Fidget für ihre Heimspiel die drei Youngsters von The Pollywogs als Support verpflichteten. Dabei bewiesen sie ein recht glückliches Händchen. Das Power-Trio spielt eingängigen Indie-Rock mit einer Prise 70s vibe, der Szenegrößen wie den Subways oder Kooks gedenkt, und stimmlich teilweise an eine cleane Version Pete Dohertys erinnert. Sänger/Gitarrist Bryan Kessler entpuppt sich dabei als ziemlich coole Sau und sieht mit seinem weißen, halb aufgeknöpften Hemd, den schwarzen Cowboy Shoes und zig Ketten einfach herrlich aus, und auch die ESP-Gitarre mit den Verzierungen sieht verdächtig nach Marke "Eigenbau" aus. Das Publikum gibt sich indes relativ reserviert und kommt den freundlichen Aufforderungen ein wenig näher zu rücken und abzurocken nicht wirklich nach. Schade, denn den ein oder anderen tanzbaren Groover haben die Jungspunde mit "My Green Lady" und "Don't Play With Love" durchaus in petto. Nach einer knappen halben Stunde räumen sie die Bühne, um Platz für jene Band zu schaffen, auf die heute Abend alle so sehnsüchtig warten - Fidget. Der Fünfer entert die
Bühnenbretter, wird kurz kräftig umjubelt, und gibt mit
"Holy Grail", dem Opener des neuen Werks, sofort Vollgas.
Den Ruf DER Alternative Rock-Institution NRWs eilt den Düsseldorfern
nicht umsonst voraus. Energisch langen die Gitarristen in die Saiten,
während Drummer und Bassist ein amtliches Rhythmus-Pfund
abliefern. Gekrönt wird das Ganze von dem auralen wie optischen
Schmaus Darline Fae Rubi, der philippinischen Frontfrau, die trotz
ihrer geringen Körpergröße ordentlich Power auf den
Stimmbändern hat, und Männlein wie Weiblein aufgrund ihrer
sympathischen Ausstrahlung gleichermaßen entzückt. Neben
dem Killer-Song "Ride My Track" ihres 2005er Werkes "The
Merciless Beauty", giert das Publikum natürlich vor allem
nach neuem Material. Gitarrist und zugleich Darlines vokale
Unterstützung Thomas Jeske gibt sich höflich, und fragt die
Anwesenden, ob es okay sei, wenn sie einen Song ihres neuen Albums
spielen würden - genauer gesagt Track Nr. 4. Was für eine
Frage! Kaum setzt das Schlagzeug ein, tippeln die ersten nervös
auf der Tanzfläche. "Far From OK" ist die Art von
Song, für die Fidget von ihren Fans geliebt werden: Balladeske
Elemente und inbrünstig dargebotener zweistimmiger Gesang, der
auf treibende Punk Riffs und tanzbare Rhythmen trifft. Man ist fast
versucht, den mittlerweile zum Schimpfwort avancierten Begriff "Emo"
in den Mund zu nehmen. Netter wäre es den Sound des Quintetts
als Hot Water Music meets Die Happy meets Beatsteaks zu
bezeichnen. Zwar bekommt der Sound durch den bezirzenden weiblichen
Gesang und die oft auf Radioformat getrimmten Arrangements einen
gehörigen Mainstream-Anstrich verpasst, der Qualität der
eingängigen Melodien tut dies jedoch keinen Abbruch. Songs wie
"All Seems Meaningless", "5 Min Left" und
besonders das hymnische "Stalewater" brennen sich ins
Gedächtnis und sorgen bei dem ein oder anderen Konzertgänger
gewiss für emotionale Höhenflüge. Zumindest sah sich
Sängerin Darline anscheinend äußerst gerührt,
als Gitarrist Thomas als Zugabe ein akustisches Cover von Alkaline
Trios "Bleeder" zum Besten gab. Wie ein schüchternes
Kind saß sie am Bühnenrand, während ihr vereinzelt
Tränen die Augen runterkullerten. Ob's an der zigaretten- und
schweißgetränkten Luft in Kombination mit ihrem Makeup
lag, oder die melancholischen Klänge vielleicht Erinnerungen an
ihren (ehemaligen?) Liebsten hervorriefen? Wer weiß... Fidget Homepage The Pollywogs MySpace
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| Letzte Aktualisierung ( 01.04.08 ) | ||||||||||||
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