Home
Advertisement
Advertisement
 

..Reviews > Tonträger..

SIMON RYMAN - Demo


13.12.07
Image
 
Vö:
2007
 
Format:
CD
 
Links:
 
 
Bewertung

Redaktion:
4
 
Leser:  
Das meinen unsere Leser!
 


 

We are the sound, we have no voice

Im BRIGHT EYES-Song "Road To Joy" der sympathischen Oberheulsuse des Indie-Rocks Conor Oberst heißt es: "Well, I could have been a famous singer / If I had someone else's voice / But failures always sounded better / Let's fuck it up boys, make some noise" Treffender geht's kaum; wenn die Stimme weit davon entfernt ist, sich technisch auch nur fünf Sekunden gerade halten zu können, dann kann der Fokus ganz auf die Gefühle gelegt werden. Das war schon damals bei BOB DYLAN so, wurde von PIXIES-Nörgler Frank Black fortgeführt und ist heute sowieso gefragter denn je. Die schief singenden Sonderlinge wie Isaac Brook von MODEST MOUSE, Win Butler von ARCADE FIRE, oder eben Conor Oberst prägen das Bild des Indie-Rocks. In dieses Bild passt auch der Schwede SIMON RYMAN perfekt, den es als Geheimtipp der Stockholmer Alternative-Szene inzwischen sogar bis nach New York getragen hat. Und das zurecht; schiefer und authentischer klang Singer-Songwriter Musik selten.

Die Grundzutaten sind dabei wie immer denkbar einfach: Unterstützt von der obligatorischen Band geht es auch bei SIMON RYMAN hauptsächlich um die Inszenierung einer Gitarre und einer Stimme. Gute Singer-Songwriter haben schon immer Geschichten erzählt und dabei auf überflüssigen Ballast verzichtet. Wenn die Melodie groß genug ist, dann darf sie sich auch gerne minutenlang wiederholen. Da macht auch RYMAN keine Ausnahme. "Sitting On My Porch" zum Beispiel spinnt seine Geschichte aus den immer gleichen Fragmenten mit sehr wenigen Variationen. "Farsta Creek" ist dank des minimalistischen Klangbilds wohl der Prototyp der sehnsüchtigen Country-Ballade. "Walk With Me Instead" spielt sich auf sphärischen Kreisen erst einmal gemächlich ein, bevor sich der Song gefühlte Ewigkeiten an depressiven Bassläufen und kratzigen Gitarrenklängen entlang hangelt. "F13" schließlich ist musikgewordene Einsamkeit, irgendwo meilenweit entfernt und absolut nicht greifbar. Und über allem thront diese Stimme, ständig verrutschend und unkontrolliert ausschlagend, aber vor allem immer glaubwürdig und ehrlich.

Ein Streifzug durch die Möglichkeiten des Songwritings mit der nötigen künstlerischen Größe also? Nicht nur, denn der gerne verwendete Präfix "Post" darf hier zurecht verwendet werden. Immer wieder werden die Konventionen herkömmlicher Folksongs aufgebrochen und plötzlich ist die obligatorische Band viel mehr als schmückenden Beiwerk. Die Klangräume werden zunehmend größer, bauen sich minutenlang auf und lassen verzerrte Sound-Sprängsel aus dem Hintergrund nach vorne preschen. Wenn sich SIMON RYMAN, wie in "Sitting On My Porch", fast bis zur vollkommenen Unkenntlichkeit des Songs Zeit lässt, bis er ihn klagend und mit Background-Vocals vollends gegen die Wand fährt, dann ist das verdammt anstrengend, aber auch verdammt groß! Und das Album folgt erst noch...




Trackliste:

01. Sitting On My Porch
02. Farsta Creek
03. Walk With Me Instead
04. F13
 
Nachricht an Autor eric@triggerfish.de
 
Weitere Beiträge von Eric Baudner
Letzte Aktualisierung ( 13.12.07 )
Disclaimer Impressum - triggerfish.de, Andrew Uhlemann Kontakt Jobs