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Lesung: DIETMAR DATH, Salon des Amateurs


31.03.08
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Label:
Salon des Amateurs
 
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Bewertung

Redaktion:
3
 
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Musik aus der Tastatur des Kritikers


Im leicht fleckigen Salon des Amateurs zu Düsseldorf versammelte sich ein Grüppchen Interessierter, so circa 31/32 waren es, um auf den windelweichen Sofas zu lümmeln und einer kapriziösen Musikbenotung beizuschlafen, äh, beizuwohnen.

Der Clou: Die Musik und besprochenen Alben gibt es gar nicht. Die Musiker nur zum Teil und die Cover der Platten einzig als Projektionen an der Wand, per MacBook Pro und Beamer, gebastelt von der Grafikerin Daniela Burger.
Hinter den Texten steckt Dietmar Dath, das Projekt nennt sich "The Shramps" und kann als Buch im Verbrecher Verlag zu schlanken 9,- Euro eingekauft werden.

Den Dietmar braucht man sicher nicht vorstellen. Er begleitet und beschreibt seit fünfzehn Jahren die rast- und ziellose Karawane der Popkultur. Immer wieder soll man seinen sagenhaften Aufstieg vom SPEX-Denker zum FAZ-Autor bestaunen, obwohl diese Verpuppung doch eigentlich ein Absturz, na ja, sagen wir mal eher, fast schon zwangsläufig programmiert ist. Auf alle Fälle hat sich in den vergangenen Jahren viel Lesenswertes angesammelt: Im Dathschen Backkatalog finden sich Aufsätze und Nachdenkereien, Romane, Novellen, Übersetzungen. 

Mit "The Shramps" passiert er mal wieder seinen Fixstern. Dieses in seiner Tiefe nicht auszulotende Themenfeld der Musikkritik. Und Musikkritik in deutscher Sprache kann nicht seriös besprochen werden, ohne die alte SPEX zu beachten. Die SPEX aus den Jahren vor dem Umzug nach Berlin.

Was konnte einem vor Jahren in den SPEX-Plattenbesprechungen vor die Augen kommen! Da rempelten sich Termini aus Philosophie- und Soziologie-Seminaren den Weg frei, man codierte ganze Abschnitte per Insider-Slang und halbierte mit jedem weiteren Satz das Textverständnis des armen Lesers, des Opfers am Ende der Gedankenkette, der doch eigentlich nur eine kleine Info zum Inhalt der Platte wollte.

Ist natürlich bitter übertrieben. 

Aber tatsächlich trieb es manche Schreiberin und mancher Schreiber so weit, dass die Berufsbezeichnung 'SPEX-Autor' über längere Zeit zu einem Kürzel für Schlaubergerei und gehobenes Klugscheissertum wurde. Bis 2000 jedenfalls, steckte hinter vielem für das die alte SPEX stand (auch für viel Gutes), der Dietmar Dath.

Doch zurück zum gestrigen, oder vorgestrigen (oder wann auch immer dem Leser diese Zeilen vor die Augen fallen) Abend. In den Salon des Amateurs.

Die Party war fad. Die Idee, Plattenkritiken zu erfinden, ist nicht eben die lang gesuchte Weisheit, die diese Welt zu einem bessern Ort macht. Aber auch für weniger hohe Ansprüche hat es nicht richtig gepasst. Manche Texte waren lustig. Es gab zum Bespiel einen asiatischen Musiker dem Dietmar andichtete, Klangbilder aus Dosen zu komponieren, oder die elsässische Nazi-Hardcore-Frauenband mit üblen Bandnamen. Was den Kritiken aber fehlte, war die Gründlichkeit. Vielleicht hätte er das Universum der Bands, ihre Biographien, musikalischen Ideen, Songstrukturen, Labels sorgfältiger ausarbeiten müssen (so für sich, auf einem Block neben dem Laptop), damit die Anekdoten besser passen. Klar, jede der Kritiken versteckte eine klitzekleine Idee in ihrem Herzen, aber keine wäre so je in irgendeinem Musik-Magazin erschienen. Nach zwei Sätzen war jede Plattenbesrpechung nur noch eine plumpe Comedy-Version, so echt wie ein Karnevalskostüm.

Letztlich spulten sich die völlig verknoteten Satzfäden voller Schlagworte von der Rolle und der Knäuel am Boden machte nur die Leute auf den Sofas glücklich, die schon bei der Nennung eines Platten-Labels kichern. Alles wurde vom Dath auch noch schlecht vorgelesen. Er raste durch seine Zeilen, verhaspelte sich nuschelnd und ich bin damit beim alten Woody Allen-Witz angekommen: "Mein Gott, ist das Essen schlecht! Und die Portion ist auch noch klein."


Darf ich kassieren? Rechnen wir mal zusammen: Positiv war der charmante Preis an der Türe. Für vier Euro kam man rein. Da nicht allzu viele Besucher die Bar blockierten, kommt das schnell servierte Bierchen auf die Plus-Seite. Die Lesung dauerte nur 45 Minuten. Genau die richtige Länge für einen Sonntag, dafür auch ein Sternchen. Inhalt, sagen wir mal: ausreichend. Und weil der Frühling eben über Düsseldorf tobt, vergesse ich glatt die unwürdigen CD-Cover, die schlecht animiert auf der Leinwand tanzten und wirklich nicht schön anzusehen waren.

Insgesamt ein großherziges, gönnerhaftes und vor allem um der alten SPEX-Zeiten Willen raus gemaultes:  Ach ja, war ganz okay...



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Nachricht an Autor karsten@karstenloh.de
 
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Letzte Aktualisierung ( 02.05.09 )
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