..Interviews..
itv: Janove Ottensen von KAIZERS ORCHESTRA
| 09.04.08 | ||||||||||||
![]() Save me, Kaizer! Köln, 05.04.2008. In der großen Konzerthalle des Kölner E-Werks sollte am heutigen Tage das norwegische Sextett mit der Gasmaske sein neues Album "Maskineri" vorstellen: Kaizers Orchestra sind auf bestem Wege, die deutsche Fangemeinde von Show zu Show wachsen zu lassen. Beim Tourauftakt in der nordrhein-westfälischen Großstadt ergriff triggerfish.de die Chance, Sänger Janove "Jackal" Ottensen persönlich nach seinen Erfahrungen ausserhalb Skandinaviens zu befragen. triggerfish.de: Wie geht’s dir? Janove: Mir geht’s gut. Wir sind schliesslich mitten in unserer Deutschlandtour und leben daher momentan nicht das übliche Leben. Wie lang seid ihr in Deutschland? Ich glaube, wir spielen acht Shows hier. Woher kommt eigentlich euer Bandname „Kaizers Orchestra“? Puh, das weiß ich auch nicht (lacht). Als wir anfingen Musik zu machen, brauchten wir einen Namen und wir haben einfach irgendeinen ausgewählt – Kaizer ist doch ein richtiger Name, oder nicht? Also bedeutet er eigentlich nichts besonderes. Wir hätten uns auch Franz Ferdinand nennen können, das ist auch nur ein Name. Kannst du beschreiben worum es in den Songs vom neuen Album „Maskineri“ (dt. Maschine) geht? Auf den ersten drei Alben haben wir jeweils eine einzige große Geschichte erzählt, also eher ein Konzept. Auf diesem Album haben wir das nicht gemacht; jeder der zwölf Songs auf „Maskineri“ erzählt unterschiedliche Dinge. Aber alles dreht sich immer irgendwie um Menschen und die großen Fragen im Leben: Liebe und Hass, Leben und Tod, Religion, Familie und all das. Es belichtet mehr die dunklen Seiten des Lebens und ist recht melancholisch, aber auch sehr lustig. Insgesamt kann man sagen, dass es recht ernsthafte Themen mit einer ironischen Neigung sind. Das ganze basiert auf der Realität, aber wir würzen das noch ein wenig mit Fiktion, Surrealem und Comedy. Viele Fans finden das neue Album ein wenig zu poppig. Wie denkt ihr darüber? Wir haben nicht vorausgesehen oder explizit beabsichtigt, ein poppigeres Ergebnis zu erzielen. Das ist einfach so aus uns herausgekommen. Aber ich bin schon der Meinung, dass die Songs diesmal viel stärker sind als bisher. Wir versuchen auch möglichst viele davon live zu spielen, denn den Fans gefällt das. Heute Abend haben wir von 12 Titeln insgesamt 7 von der neuen Platte – und es kommt gut an. Unsere Liveshow würde stagnieren, wenn wir nichts neues darbieten könnten. Das beweist also auch, dass die neuen Songs das Konzert besser machen. Ich denke, die Fans meinen, dass man das Album einfacher anhören kann als seine Vorgänger. Aber wir sind trotz allem keine kommerzielle Band. Die Produktion ist diesmal schlichtweg wärmer und nicht so angestrengt; das ganze wirkt dynamischer. Wir sind jedenfalls sehr glücklich mit dem neuen Studio, dem neuen Produzenten und den neuen Songs. Kannst du in einem Satz sagen, welche Art von Musik ihr spielt? Rock. Wir versuchen, die Rock'n'Roll-Attitüde und die Energie auch live rüberzubringen. Das ganze anderweitig zu klassifizieren ist nicht leicht: Der Opener heute Abend wird „Maskineri“ sein und dieser Song ist eine sehr groovige, R'n'B-lastige Midtempo-Nummer. „Bastard Sonn“ ist ein Raggae-Track oder „Moment“ eher Undergroundrock wie die Kinks. Dann haben wir ein eher traditionelles Lied, dessen Arrangements an Beck erinnern. „Enden Av November“ ist die erste Single vom neuen Album, und der wiederum ist recht jazzig, soulig gehalten. Aber wir spielen jeden dieser Songs mit einer Rock'n'Roll-Attitüde. Unsere Musik kann man nicht in einem Satz zusammenfassen. Warum habt ihr euch für „Enden Av November“ als erste Single entschieden? Wir haben keine wirklichen Hitsingles. Wir sind ein No-Hit-Wonder (lacht). Wir wollten daher nur eine Single, die das Album repräsentieren kann und dieser Song ist einer der besten, den wir je geschrieben haben. Ausserdem ist er wirklich schön und ich denke, er funktioniert am besten im Radio. Die Arrangements sind sehr besonders bei „Enden Av November“, weil es keinen Refrain im klassischen Sinne gibt und das ist ja bei einer Single recht ungewöhnlich. Aber es scheint zu funktionieren, in Norwegen war es bisher unser beliebtester Song. Was kommt bei euch zuerst: Musik oder Lyrics? Musik. Du hast mal in einem Interview erzählt, dass ihr bei Kaizers Orchestra mit Popmusik begonnen habt. Seid ihr froh über eure Entwicklung? Das war noch vor Kaizers Orchestra. Wir haben in den unterschiedlichsten Bands gespielt: Rock, Pop oder Singer/Songwriter. Aber es hat nicht gut funktioniert, weil niemand solche Musik hören wollte. Es bewegte uns und die Fangemeinde nicht richtig. Zu dem Zeitpunkt entschieden wir, Kaizers Orchestra zu gründen und die Musik zu machen, die wir jetzt machen. Wir wollten, dass die Leute Musik wieder liebten. Das ist bei unserer Band doch auch so: Entweder liebst du es vollkommen oder du hasst es. Niemand mag solche Musik nur ein klein wenig. Was ist das beste daran, Teil dieser Band zu sein? Naja, wir sind Künstler: Wir schreiben und spielen Songs, verkaufen Platten, reden darüber und spielen sie live. Was kann man sich schöneres vorstellen? Das ist mehr ein Lebensstil als ein Job, du kannst nicht einfach danach fragen und sofort damit starten. Und was ist das schlimmste daran, Teil von Kaizers Orchestra zu sein? Wir touren einfach viel zu viel und sind deswegen ständig weit weg von zuhaus. Euch wird ein extrem guter Ruf als Liveband nachgesagt. Seid ihr stolz darauf? Ja, natürlich sind wir stolz darauf. Wir wollten von Beginn an eine Liveband sein. Du hast einfach nicht in der Hand, wie gut sich dein Album verkauft. Aber du hast in der Hand, wie toll deine Show jeden Abend wird. Wir haben eine internationale Karriere ganz ohne Hits, das muss also daran liegen, dass den Leuten unsere Konzerte gefallen. Wir bekommen da keine Hilfe: Kein Radio, kein Label, niemand der uns besonders pusht. Die Fans finden uns von selbst. Deswegen touren wir so viel. Weil das einfach nur eine Sache zwischen uns und den Fans ist, und das gefällt uns. Wir spielen sogar 40 Festivals diesen Sommer. Du kannst dort vor Leuten spielen, die dich eigentlich nicht kennen, aber dich nach deinem Auftritt toll finden und deine Platte kaufen möchten. Für uns ist die Mundpropaganda wirklich viel wert. Spielt ihr dieses Jahr auch auf deutschen Festivals? Ja, ich glaub eins davon heisst Haldern. Haldern Pop? Ja, genau. Aber das ist der einzige Name, den ich noch im Kopf habe. Was denkt ihr darüber, wenn Fans euer Album herunterladen, bevor es überhaupt in den Läden steht? Wir stellen unsere Musik auf Myspace, damit die Leute sich das anhören können und wenn sie es mögen, dann kaufen sie es auch meist. Mehr können wir dagegen auch nicht tun. Aber generell finden wir, dass es gut ist solange die Menschen unsere Musik anhören. Natürlich wäre es auch schön, wenn man dafür bezahlt wird, was man tut. Aber dafür haben wir ja noch das touren. Das downloaden von Musik ist dann auch oft der Grund, warum die Konzertpreise steigen. Warum ist die visuelle Seite eurer Musik so wichtig? Das ist nur eine weitere Schicht von Kaizers Orchestra. Wir performen und entertainen gern und leiern nicht einfach nur unsere Songs herunter. Wenn du uns anguckst, dann solltest du den Song sehen. Wir planten das nicht, aber es hat sich nach über 500 Auftritten so entwickelt. Helge hat gesagt, dass er für jedes neue Album ein neues Instrument lernen möchte. Welches ist als nächstes dran? Keine Ahnung. Das neue Album kam erst vor wenigen Tagen in die Läden. Darüber haben wir uns noch keine Gedanken gemacht. Was war das Verrückteste, was euch auf Tour passiert ist? Das ist eine schwierige Frage, aber ich erinnere mich noch, dass wir mal mitten in der Nacht mit Midget gebowlt haben. Das macht man ja schliesslich auch nicht alle Tage (lacht). Was können die Fans in Zukunft von euch erwarten? Mehr Rockmusik. Und natürlich noch viel mehr Konzerte. Wir versuchen, jedes mal mehr Programm zu bieten: Der Sound, die Performance, das Banner hinter uns, die Lichtshow, alles. Wir haben das alles selber so ausgedacht und das nie zuvor gemacht. Es wird also immer wieder Neues von Kaizers Orchestra geben. Möchtest
du noch was sagen? Ja klar. Hast du die Show schon gesehen? Nein, noch nicht. Das ist heute das erste Mal. Das erste Mal ist immer besonders bei Kaizers Orchestra. Ich freue mich sehr. Danke, Janove. Danke euch, triggerfish.de. Bis bald!
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| Letzte Aktualisierung ( 09.04.08 ) | ||||||||||||
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