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Lit: STEFAN WIMMER- Der König von Mexiko


13.07.08
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Label:
Eichborn
 
Vö:
04/2008
 
Format:
Buch
 
Links:
  
 
Bewertung

Redaktion:
6
 
Leser:  
Das meinen unsere Leser!
 


 
Hank Chinaski auf Koks

Ingo Falkenhorst hat es nach Mexiko City verschlagen. Er ist er unmotivierter Germanistik Student und sein Aufenthalt in der brodelnden Sündenmetropole wird über ein Schein-Stipendium finanziert, welches er schamlos in Suff, Koks und Frauen investiert.

Willkommen in der Welt von Charles Bukowski, mag man glauben, aber ganz so kaputt ist „uns Ingo“ nicht, nein er versucht sich wirklich gegen der Strudel des leichten Lebens zu wehren, einzig es klappt nicht so gut!

Auch als er sich über eine Kneipenbekanntschaft in die mexikanische High Society einschleichen kann, wird seine Tagedieberei schnell und gnadenlos aufgedeckt. Also heißt es zurück auf die Strasse und rein in die Kneipe, hinein in Saufgelage und Schlägereien. Eine vermeintliche Extrem-Reportage über eine Serie von Frauenmorden in der Drogen und Verbrechenshochburg Ciudad Juárez geht voll in die Hose und so findet er sich bald in seinen Lieblingskneipen wieder, dem Centenario oder dem Tiburcia, um sich mit anderen schrägen Vögeln den Tag mit allem was da kommt zu versüßen. Mexican Dolce Vita!

Als das Kartenhaus des vermeintlichen Auslandreporters aber ganz zusammenbricht, beginnt der zweite Teil dieses ungemein amüsanten Debütromans und Falkenhorst befindet sich wieder zurück in der Heimat, in der Redaktion eines deutschen Männermagazins, Tatort München.

Dort geht es zu wie in den meisten Werbeagenturen oder Lifestyle Klitschen: es wird gemobbt und um Machtpositionen gebuhlt, beides Verhaltensweisen die Ingo Falkenhorst spätestens in Mexiko gänzlich eingebüßt hat. Was er aber umso stärker als Rüstzeug gegen diese schlechte Welt sein eigen nennen kann, sind ein starkes Rückrat,  Ironie und Sarkasmus und da sind wir wieder im prallen  Leben des Hank Chinaski angelangt.

Wenn es mal wieder so gar nicht läuft im Job -und das tut es eigentlich permanent- dann wirft der "kleine König" eben ein paar psychedelische Pilze ein und diskutiert nächtelang -in der Badewanne liegend- mit dem Duschkopf! 

Ob das nun generell ein befriedigendes Überlebensmodell auf Dauer sein kann, war ja schon bei Bukowski fraglich (auch wenn er jahrzehntelang von nichts anderem geschrieben hat) und wird auch von Ingo Falkenhorst am Ende offen gelassen. Aber außer Frage steht die Tatsache, dass der „König von Mexiko“ eine großartig gelungene, wenn auch verdientermaßen bitterböse Milieustudie ist, in der sich unser Held Ingo hervorragend bewegt und bewährt, wenn auch nicht die Karriereleiter hinauf.

Schön, daß es wieder mal ein deutsches Buch gibt, welches aus dem prallen Leben zu berichten weiß. Moralapostel, Studentenbrillos, Karrierefüchse und Gutmenschen sollen einfach draußen bleiben.



 
Nachricht an Autor andrew.uhlemann@triggerfish.de
 
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Letzte Aktualisierung ( 13.07.08 )
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