..Interviews..
itv: MARKUS KAVKA - Teil 2
| 23.10.08 | ||||||||||||
"Na gut, Tach allerseits!"
Während Markus im ersten Teil des Interviews (zum nachlesen bitte klicken) noch bereitwillig über sein neues Buch und seine Lese- und Hörgewohnheiten im Allgemeinen plauderte, geht es im zweiten Teil durchaus universeller zur Sache. Und so kam es, dass Markus und ich über die Musik den Einstieg zum Thema Vorbildfunktion fanden und in dem Zusammenhang noch Ministerpräsident Beckstein, das Oktoberfest und der FC Bayern München eine Rolle spielten. Und was damit dann auch noch ein Feueralarm zu tun hat, erfahrt ihr jetzt! TF: Welchen Trend siehst du denn jetzt persönlich bei der Jugend. Wo da also das Hörverhalten so hin tendiert: Hip Hop, Elektro, Rock oder gar Schlager?Markus: Im Moment scheint es so zu sein, dass alle Sachen gut nebeneinander exestieren können. Ohne, dass sich da so eine bestimmte Vorliebe herauskristalisiert. Was ich halt merke ist, dass sich dieses Schubladendenken ein bisschen erledigt hat. Also bei mir war es so, dass die Musikkonsumenten in ihrer eigenen Welt verhaftet waren. Hip Hopper haben kaum was anderes gehört, weil halt die ganze Attitüde stimmen musste und für Indierocker war es ein totales No Go elektronische Musik zu hören. Die Leute, die Techno gehört haben, für die gings ja gar nicht mal eine Metalplatte zu hören oder so. Und ich hab halt jetzt den Eindruck, dass man sich sehr wohl so das Beste aus allen Sachen zusammensuchen kann und das man nicht schräg angeguckt wird dafür. Der Trend geht ja auch generell davon weg für Musik zu bezahlen und man holt sich halt von allen Seiten so das, was man braucht und was man so gut findet und keiner lässt sich dabei so wirklich festlegen. Da kann man auch dran ablesen, dass keine Musik jetzt einen richtigen Hype kreieren konnte. Es sind einzelne Künstler, die über einen kurzen Zeitraum wahnsinnig viel verkauft haben und in aller Munde sind, aber ansonsten... TF: Ich glaube Deichkind sind da vielleicht ein ganz gutes Beispiel. Die haben früher Hip Hop gemacht, haben dann später ihren Sound auf Elektro umgestellt und werden auf ihren Konzerten nun von Indietypen abgefeiert. Markus: Genau, die kommen ursprünglich aus dem Hip Hop, sind dann Richtung Elektro gegangen und was die ganze Attitüde betrifft, vorallem die Liveshow, da hats auch wieder ganz große rockistische Momente und sie selber sagen ja auch "es ist gar nicht mehr so wichtig, was auf unseren Platten drauf ist, im Prinzip sind die nur noch ein Vehikel, um auf Tour gehen zu können", weil da ja auch erst das wahre Gesicht einer Band zum Vorschein kommt. Und weil die damit wahrscheinlich auch ihr Geld verdienen, im gegensatz zu ihren Platten. TF: Wie stehst du denn zum Thema "Musik und Vorbildfunktion"? Wenn man sich zum Beispiel mal G-Hot herauspickt, der teilweise wirklich extreme und schwulenfeindliche Sachen rausgehauen hat. Inwiefern beeinflusst ein Künstler die Jugendkultur oder sollte ein Künstler die Jugendkultur beeinflussen? Markus: Ganz generell ist es natürlich schon so, dass Pop Musik in erster Linie der Unterhaltung dient. Also man sollte da nicht päpstlicher als der Papst sein und einfach erstmal zur Kenntnis nehmen, dass die Leute, die diese Musik machen, in erster Linie auch nicht anders sind, als die Leute, die diese Musik konsumieren. Wenn man aber genauer hinguckt, ist es schon so, dass ein paar Leute schon noch mal drüber nachdenken sollten, was sie da jetzt so in der Öffentlichkeit von sich geben. Also grade so schwulenfeindliche Tendenzen im deutschen Hip Hop, Drogen, Gewaltverherrlichung und sowas, das sind natürlich alles Sachen, die auch dazu dienen mehr Platten zu verkaufen - damit man eben im Gespräch ist - , aber ich würd mir schon wünschen, dass die betreffenden Leute ein paar mal drüber nachdenken, bevor sie dann sowas von sich geben. Wenn sie schon so einen Scheiß erzählen, dann sollen sie wenigstens auch Diskussionsbereit sein und sich dann auch mal kritischen Nachfragen im Hinblick auf ihre Aussagen stellen und nicht ihrerseits einem gleich wieder Gewalt androhen (Lachen), wenn man denn mal auf die Idee kommt nachzufragen oder das nicht gut zufinden, was die da von sich geben. TF: Also ich finde das - ehrlich gesagt - einfach nur schade, dass der Hip Hop da so eine Richtung eingeschlagen hat. Markus: Ja ich find auch. Es ist eine echte Tragödie, weil es ist ja auch eine Musikrichtung, die höchsten Respekt bei mir genossen hat. Allerdings zu der Zeit, als da wirklich noch intelligente Leute am Ruder waren und jetz ist das halt alles so Atzenscheiße. (Lachen) TF: Da du aus Bayern kommst, muss ich dir einfach diese Frage stellen: Warst du schon auf dem Oktoberfest oder hast du noch vor dort hin zu fahren? Markus: Ich war einmal in meinem Leben da, das war vor über zehn Jahren. Da konnte ich dann dem jahrelangen Drängen nach "das muss man mal gesehen haben" einfach nicht mehr wiederstehen und dann hab ich gesagt "gut, ich geh da jetzt in gottesnamen mal hin". Ich hab mich nie so für Volksfeste interessiert und ich hab die auch - in dem Dorf aus dem ich komm - weitestgehend gemieden. Fand ich immer Scheiße. Ich trink auch nicht gerne Bier und schon gar nicht viel, also was soll ich auf dem Oktoberfest? Und dann war ich eben einmal da und da wurden die ganzen Vorurteile bestätigt. Ich war da einmal und ich werd da nie wieder hingehen. TF: Und was hälst du von der Aussage "Nach zwei Maß Bier kann man noch autofahren"?Markus: (lacht) Die ist natürlich erstmal in dem Bayrischen Kontext zu sehen und er hat das ja auch so ein bisschen anders gesagt. Es war ja bezogen darauf, wie schlecht das Bier eingeschenkt ist auf dem Oktoberfest - Das ist ja immer so ein großes Thema, dass da eigentlich ein Liter Bier verkauft wird für teures Geld, aber, dass die Maßkrüge irgendwie nur halb voll sind und der Rest ist Schaum. Und da hat er sich halt ein bisschen lustig drüber gemacht. Dennoch ist es natürlich ein Politiker, der Verantwortung hat und der ganz genau wissen sollte, dass man mit zwei Maß - egal, ob die nun schlecht oder gut eingeschenkt worden sind - garantiert nicht mehr fahren kann. Aber so funktioniert halt Politik in Bayern. Natürlich hats da viel Schelte gehagelt, aber die Basis, das sind halt alles so Leute die sagen (Markus nun auf Bayrisch) "Jo, da hatta do recht!" (Lachen). Aber das selbst die Basis auch nicht mehr so treu war, hat man ja am Sonntag gemerkt. Da hilft das ganze Biersaufen nichts, da gabs eine richtige Watschn. TF: Ich glaube es ging auch generell eher daraum, dass Herr Beckstein meinte, dass wenn man zwei Maß trinkt und sich dann sechs Stunden auf dem Oktoberfest aufhält... Markus: ... genau. Er hat das auch genau vorgerechnet vonwegen 0.1% Abbau in der Stunde. Aber das ist natürlich alles Schwachsinn. Als Ministerpräsident in Bayern kannst du so eine Aussage überhaupt nicht tätigen. TF: So. Prinzipiell wars das. Zum Abschluss gibts jetzt noch ein paar Spontanfragen. Ich frage und du antwortest ganz spontan und intuitiv. Markus: Ok. TF: Lieblingslied? Markus: Momentan müsste das "Schwarz Zu Blau" von Peter Fox sein. TF: Lieblingsbuch? Markus (überlegt) TF: Jetzt hast du die Chance für Promoarbeit. Markus (lacht): Nein, aber das beeindruckendste Buch, was ich in den letzten Wochen gelesen hab, war schon "Kill Your Friends", weil ich da auch so eine ganze Menge wiedererkannt habe von dem, was ich so in den letzten Jahren erlebt hab. Wobei, ich hab niemanden umgebracht.TF: Lieblingsfilm? Markus: Ich glaube, dass mein Lieblingsfilm ab nächster Woche "Berlin Calling" sein wird. Das ist so ein Film über die Berliner Technoszene und da hat mein sehr guter Freund und Kollege Paul Kalkbrenner die Hauptrolle ergattert und er weiß selbst nicht wie. Er wollte nur den Soundtrack machen und halt da DJ spielen und jetzt spielt er die Hauptrolle. Und ich hab jetzt den Trailer gesehen und ein paar Sachen und ich glaube, dass das ein ganz authentischer Technofilm ist. TF: Wird der Bundesweit anlaufen oder nur in Programmkinos? Markus: Der wird schon bundesweit anlaufen. Ich mein Regie hat Hannes Stöhr geführt, der ist auch kein unbekannter und Corinna Harfouch spielt noch mit, also es ist schon eine amtliche Deutsche Spitzenproduktion. TF: Ok. Machen wir mal mit den Spontanfragen weiter: Momentan völlig überschätzt? Markus (nach langem Überlegen): Jürgen Klinsmann TF: Völlig unterschätzt? Markus (wieder eine lange Pause und Markus gibt sogennante "Denkgeräusche"* von sich): Wer könnte denn Props gebrauchen? Völlg unterschätzt...(lange Pause)...hm...ja TF: Das ist jetzt aber eher nicht so spontan... Markus (lacht): ... ne (lacht) Also unterschätzt. Es gibt wahnsinnig viele Leute, die überschätzt sind, aber unterschätzt? hm... (Markus fängt wieder mit "Denkgeräuschen"* an)... TF: Ich kann ja einfach mal weitermachen und ich frag dich hinterher noch mal und dann sagst du mir - ganz spontan - ob dir noch was eingefallen ist. Also: Dein Interview mit den besten Erinnerungen? Markus: Depeche Mode TF: Schlechtestes Interview bzw. fiesester Interviewpartner? Markus: Mariah Carey TF: Und ganz zum Schluss: Wer wird Meister? Markus: Ich würde jetzt gerne sagen Bayern München (Pause) Ja! Die werden auch Meister! Das lässt sich alles noch aufholen! TF: Ok, dann noch mal zurück: Völlig unterschätzt? Markus (überlegt): ... völlig un-ter-schätzt... TF: Vielleicht der FC Bayern? Markus (lacht): So wie es momentan aussieht, sind die leider momentan völlig überschätzt. Ähm...völlig un-ter-schätzt...ja, äh (und jetzt, wie selbstverständlich) Hoffenheim. Hoffenheim und Ralf Rangnick. Ein großartiger Trainer. TF: Gibt es irgendwelche letzten Worte? Irgendwas, dass du gerne noch lesen wollen würdest, am Ende des Artikels, den ich schreiben werde? Markus: Ach, ich verlass mich da ganz auf euer ruhmreiches Portal. TF: Ach, du kennst triggerfish? Markus: Ja! Ist mir ein Begriff. Ich hab mal nach irgendwas gegoogelt - ich weiß gar nicht mehr was - auf jeden Fall bin ich auf eurer Seite gelandet und dachte "Ach, guck an. Da sind ja gute Leute am Werk" Mit stolz geschwellter Brust fing ich an mich zu verabschieden, doch während der Verabschiedung ging dann - als ob es geplant gewesen wäre - plötzlich der Feueralarm los. Markus war selbst erstaunt und brachte nur ein "Ist ja abgefahren. Ich glaub ich muss jetzt raus" heraus. Womit das Interview dann auch seinen Schluss fand. ------- * Denkgeräusche, die: Geräusche, die jemand von sich gibt, wenn er nachdenkt. Beliebt sind hier vor allem Schmatzen, Grummeln, lautes Ausatmen, leises Summen und Schnalzen mit der Zunge Info: markus-kavka.de djkavka.de
|
||||||||||||
| Letzte Aktualisierung ( 24.10.08 ) | ||||||||||||
| < Zurück | Weiter > |






TF: Welchen Trend siehst du denn jetzt persönlich bei der Jugend. Wo da also das Hörverhalten so hin tendiert: Hip Hop, Elektro, Rock oder gar Schlager?
TF: Und was hälst du von der Aussage "Nach zwei Maß Bier kann man noch autofahren"?
Markus 