Vor ein paar Jahren hat man noch den Kopf geschüttelt, wenn eine Rock Band anfing ihren Sound mit Electro-Elementen zu
verfeinern. Mittlerweile ist das Standart. Jetzt wird eben Attitüde mit Electro aufgepeppt.
Deutschpunk Texte über Minimal-Techno.
Man versucht sich mit seiner Meinungsmache nun an anderen Zielgruppen und gibt sich modeorientiert. Obergründig als Partymusik
getarnt, unter der Oberfläche herrschen Wut gegen Schweini-Wahn, Wut auf Normalität, auf Arbeitsfäulnis, auf Deutschland.
Ironisch ist hier nichts. Man mag die streitbaren Texte nun gut oder schlecht finden - ansichtssache - zählen sollte aber
auch die Musik - und die ist leider nur mittelmaß. Halbgar. Langweilig. Partystimmung: Fehlanzeige. Bis auf "Kotzen" brummert die
ganze Platte einfach so dahin. Hängengeblieben ist nichts, bis auf ein paar Textfetzen. EGOTRONIC haben schon mit ihrem letzten Werk "Lustprinzip" zu polarisieren gewusst und greifen das in dem Song "Kotzen" wieder auf:
"Du kennst die letzte Platte - hast dazu was geschrieben. Fandst sie ok, hieltst nur den Deutschland-Diss für übertrieben"
Mehr als "Ok" ist der selbstbetitelte Drittling dann auch leider nicht. Texte für autonome Zentren + Musik für die Kirmes Disco =
kurzweilige Lieder für Hochschulradios und alternative Discotheken. Egotronic werden vermutlich im Zuge des aktuellen Electroclash
-Hypes kurzfristig einige neue Anhänger finden. Auf Dauer ist das aber alles zu stumpf.
Hut ab und extra Punkt gibt es
allerdings für den Mut auch beim dritten Album immer noch nicht die Klappe zu halten und aktuelle Probleme beim Namen zu nennen.
Nur der Vermittlungsweg sollte beim nächsten Mal vielleicht etwas überarbeitet werden.
Egotronic - 'Lustprinzip'
Trackliste:
1. Berlin Calling
2. Kotzen (ft Walter Schreifels)
3. Heut Nacht Reinhören
4. Es Muss Stets Hell Fuer Gottes Auge Sein
5. Tanzen Gehn (ft Tina)
6. Der Weg Zu Zweit (Grauzone Cover)
7. Verspult
8. Rampue vs Egotronic (vs Rampue)
9. What I Don't Do (ft Dance Inc.)
10. Vorbei
11. Unser Spass Sieht Anders Aus
12. Ich Wollt Noch In Die Bar (ft Jean Luce)