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LIT: SPRINGER / STEINBRINK / WERTHSCHULTE (Hrsg.) - Echt! Pop-Protokolle aus dem Ruhrgebiet


03.12.08
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Label:
Salon Alter Hammer
 
Vö:
05.12.2008
 
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Bewertung

Redaktion:
5
 
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Pop im Pott

Fünf Millionen Einwohner auf mehr als 4000 km2 machen noch lange keine Metropole. Dies wird einem spätestens dann klar, wenn man sich von auswärtigen Besuchern die Frage stellen lassen muss, warum nach 20 Uhr die Strassen der Innenstadt im wahrsten Sinne des Wortes menschenleer sind.

Und auch beim Durchstöbern der Kulturangebote einschlägiger Veranstaltungsorte fühlt man sich oftmals eher in die SAT1 Spalte einer TV-Zeitschrift denn in eine urbane Kulturlandschaft versetzt. „´Spex präsentiert´ […] ist im Ruhrgebiet nicht gerade Alltag.“, diagnostisiert Achim Prossek  die Lage leider ziemlich trefflich.

Und doch gibt´s natürlich genug über Popkultur im Ruhrgebiet zu schreiben, ohne dass man hierfür Grönemeyer und Konsorten heranziehen müsste. Diese Mühe haben sich die Herausgeber Christian Steinbrink, Johannes Springer und Christian Werthschulte gemacht und Berichte und Erzählungen über Pop im Pott zusammengetragen.

Till Kniola lässt die Hochphase des Industrial Genres in den frühen 90´ern Revue passieren, Markus Kleiner erinnert sich an die subkulturellen Grenzen im Oberhausener Discozelt Blue Moon, und wenn Dirk Siepe locker durch die Jahre und Musikszenen Dortmunds reist, ist das mindestens so unterhaltsam wie informativ.

Dass es im Ruhrgebiet nicht ohne Fußball geht ist klar, auch wenn es für Fanzine Macher wie Christoph Schurian nicht immer einfach ist, ihren Verein für das Verlassen ausgetretener Wege zu begeistern. Im Gespräch mit Christian Steinbrink berichtet Christoph Biermann nicht nur über seinen Wandel vom Musik- zum Sportjournalisten, sondern gewährt auch Einblicke in die Frühphase des seinerzeit prägenden Ruhrgebietmagazins Marabo.

Jörg-Uwe Nieland beleuchtet und analysiert den Standortfaktor Popkultur, benennt Rahmenbedingungen für eine lebendige Kultur, vergisst darüber jedoch auch nicht darauf hinzuweisen, dass man kulturelle Freiräume nicht bekommt, sondern sich diese nehmen muss.

Je nach Sozialisierung wird den meisten Lesern vermutlich mehr als nur ein Thema einfallen, dass eigentlich auch noch unbedingt in dieses Buch gehört hätte: Was ist mit Punk in Duisburg und „Thrash in Altenessen“? Und warum findet sich nichts über das ehemals bemerkenswerte Angebot von Plattenläden im Pott, deren Ruf so gut war, dass selbst ein gewisser John Peel gelegentlich zum Tonträgererwerb ins Studenten- und Rentnerquartier Neudorf kam. Am Themenmangel sollte eine Fortsetzung also nicht scheitern. Bis dahin gehört „Echt! Pop-Protokolle aus dem Ruhrgebiet“ zu den kenntnisreichsten Einblicken in die Szenen und Strukturen zwischen Dortmund und Duisburg.


 
Nachricht an Autor sascha@triggerfish.de
 
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Letzte Aktualisierung ( 09.12.08 )
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