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20.04.09 |
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Der Sound und die Stadt
Schon vor zehn Jahren wusste Diedrich
Diederichsen in seinem Buch "Der lange Weg nach Mitte" Bescheid
über das Zentrum des deutschen Pop. Berlin-Mitte sollte es sein,
dieses schwarze Loch der Subkulturen, Heimat der Ruhelosen und
logische Endkonsequenz aller Musik. Hört man zehn Jahre später
die Musik der INEFFICIENT SCREWS, dann klingt das, als hätte
Diederichsen nicht über die späten 90er geschrieben,
sondern eine glasklare Zukunftsvision gehabt. Diese Songs sind alles,
was eine Stadt nur sein kann. Leise und einsam. Laut und überfüllt.
Ruhelos und ungeduldig. In sich gekehrt und manchmal, ganz selten,
auch irgendwo angekommen.
Schon der Bandname als Metapher wirkt
so bedächtig gewählt und ist dabei gleichzeitig mehr als andere Bands
auf fünf Alben ausdrücken. Diese Schrauben, die nichts
bringen, weil sie die hier beteiligten Musiker sowieso nicht
festhalten können. Ein zusammengewürfeltes Kollektiv von
Künstlern um den in Neukölln (immerhin nicht Mitte) gestrandeten
Sänger Markus Steidl schreibt auf „Box Fort“ Songs wie sie
wohl nur in der Hauptstadt entstehen können. Kleine und große
Geschichten, mal aus der Ich-Perspektive, mal als außenstehender
Beobachter. Was die einzelnen Geschichten dabei von einem wollen,
lässt sich hingegen nur erahnen. "All goes downhill from here"
singt Steidl in "Nothing Turns To Gold Anymore", und weiter: "Everyone goes home alone tonight". Großstadteinsamkeit in
Reinform. Dabei knarzt die Gitarre so schaurig, dass man sich fragt,
was der Rest der umfangreichen Musikergarde eigentlich zu tun hat.
"The sun's coming up and the moon's
coming down / It's the same thing since before we were born" weiß
diese Band in "Define Crazy" zu berichten. Berlin kümmert
sich eben herzlich wenig um den Einzelnen. Während fast
unmerklich ein klarer Basslauf durchschimmert, driftet der Song so
geschickt in Dissonanzen ab, dass das Gefühl von Einsamkeit
inmitten tausender Menschen fast greifbar wird. "They said that
you'd be fine, but you kept bleeding" heißt es dann "Gulo
Gulo", während eine traurige Mandoline vorbei zieht. Viel Trost hat die
Stadt dieser Tage scheinbar nicht zu bieten. Und so hinterlässt diese Platte
ihren Hörer auch. Das einzige, was hier laut wird, sind die
Anschläge auf der Gitarre. Aber innerlich schreit "Box Fort"
an allen Ecken und Enden. Ein tröstliches Bild einer Stadt ist
das bei weitem nicht. Aber gerade deshalb ein faszinierendes. Und
wenn Berlin wirklich das schwarze Loch der Subkulturen ist, dann hat
es inzwischen einen Sog entwickelt, dem nichts mehr so leicht
entkommt.
Trackliste: 01. Box Fort
02. Nothing Turns To Gold Anymore
03. Define „Crazy“
04. Shirt & Tie
05. Bring Your Own Whole New Perspective
06. Gulo Gulo
07. Vivisection
08. Semi-Final
09. Camouflage
10. The Sign Said „Go“
11. Wait-And-See Attitude | | | | | Nachricht an Autor eric@triggerfish.de | | | | Weitere Beiträge von Eric Baudner | |
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Letzte Aktualisierung ( 20.04.09 )
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