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INEFFICIENT SCREWS - Box Fort


20.04.09
Image
 
Label:
Beeah-Music
 
Vö:
27.03.2009
 
Format:
CD
 
Links:
  
 
Bewertung

Redaktion:
4
 
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Der Sound und die Stadt

Schon vor zehn Jahren wusste Diedrich Diederichsen in seinem Buch "Der lange Weg nach Mitte" Bescheid über das Zentrum des deutschen Pop. Berlin-Mitte sollte es sein, dieses schwarze Loch der Subkulturen, Heimat der Ruhelosen und logische Endkonsequenz aller Musik. Hört man zehn Jahre später die Musik der INEFFICIENT SCREWS, dann klingt das, als hätte Diederichsen nicht über die späten 90er geschrieben, sondern eine glasklare Zukunftsvision gehabt. Diese Songs sind alles, was eine Stadt nur sein kann. Leise und einsam. Laut und überfüllt. Ruhelos und ungeduldig. In sich gekehrt und manchmal, ganz selten, auch irgendwo angekommen.


Schon der Bandname als Metapher wirkt so bedächtig gewählt und ist dabei gleichzeitig mehr als andere Bands auf fünf Alben ausdrücken. Diese Schrauben, die nichts bringen, weil sie die hier beteiligten Musiker sowieso nicht festhalten können. Ein zusammengewürfeltes Kollektiv von Künstlern um den in Neukölln (immerhin nicht Mitte) gestrandeten Sänger Markus Steidl schreibt auf „Box Fort“ Songs wie sie wohl nur in der Hauptstadt entstehen können. Kleine und große Geschichten, mal aus der Ich-Perspektive, mal als außenstehender Beobachter. Was die einzelnen Geschichten dabei von einem wollen, lässt sich hingegen nur erahnen. "All goes downhill from here" singt Steidl in "Nothing Turns To Gold Anymore", und weiter: "Everyone goes home alone tonight". Großstadteinsamkeit in Reinform. Dabei knarzt die Gitarre so schaurig, dass man sich fragt, was der Rest der umfangreichen Musikergarde eigentlich zu tun hat.


"The sun's coming up and the moon's coming down / It's the same thing since before we were born" weiß diese Band in "Define Crazy" zu berichten. Berlin kümmert sich eben herzlich wenig um den Einzelnen. Während fast unmerklich ein klarer Basslauf durchschimmert, driftet der Song so geschickt in Dissonanzen ab, dass das Gefühl von Einsamkeit inmitten tausender Menschen fast greifbar wird. "They said that you'd be fine, but you kept bleeding" heißt es dann "Gulo Gulo", während eine traurige Mandoline vorbei zieht. Viel Trost hat die Stadt dieser Tage scheinbar nicht zu bieten. Und so hinterlässt diese Platte ihren Hörer auch. Das einzige, was hier laut wird, sind die Anschläge auf der Gitarre. Aber innerlich schreit "Box Fort" an allen Ecken und Enden. Ein tröstliches Bild einer Stadt ist das bei weitem nicht. Aber gerade deshalb ein faszinierendes. Und wenn Berlin wirklich das schwarze Loch der Subkulturen ist, dann hat es inzwischen einen Sog entwickelt, dem nichts mehr so leicht entkommt.




Trackliste:

01. Box Fort
02. Nothing Turns To Gold Anymore
03. Define „Crazy“
04. Shirt & Tie
05. Bring Your Own Whole New Perspective
06. Gulo Gulo
07. Vivisection
08. Semi-Final
09. Camouflage
10. The Sign Said „Go“
11. Wait-And-See Attitude
 
Nachricht an Autor eric@triggerfish.de
 
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Letzte Aktualisierung ( 20.04.09 )
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