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27.05.09 |
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In the now
Immer diese Rockstars. Leben immer nur im Hier und Jetzt. Keine Gedanken an das Morgen. Mozart war ja so einer. Kein Wunder, dass ihm die bedeutungsschwangeren letzten Worte "Mehr Licht!" in den Mund gelegt wurden. War gar nicht Mozart? Stimmt, war Goethe. Macht aber nichts, PHOENIX verdrehen auf ihrem vierten Album schließlich auch alles nach Lust und Laune. Und dann dieser Titel! Wie Phoenix aus der Asche? Die Herren Thomas Mars und Co. sind also die Reinkarnation vom Amadeus höchstpersönlich? Aber PHOENIX dürfen das. PHOENIX dürfen alles. Durften sie schon immer.
Denn was auf "Wolfgang Amadeus Phoenix" passiert, kann sich jegliche Großspurigkeiten leisten. Natürlich waren PHOENIX schon immer eine begnadete Band und zu Recht die Lieblinge der lebensfrohen Indie-Jungs und Mädels. Aber Hymnen wie "Everything Is Everything" oder "If I Ever Feel Better" haftete irgendwie auch immer das Prädikat "besonders niedlich, weil französisch" an. Darauf hat das Pariser Quartett aber längst keine Lust mehr. Schon "Lisztomania" macht klar, dass PHOENIX sich zu größerem Berufen fühlen. Der gute alte Synthie-Pop hat deutlich Tempo und Druck aufgenommen, und Thomas Mars gibt die Richtung vor: "Lisztomania / Think less but see it grow / Like a riot, like a riot, Oh!" Der gute Liszt war ja auch so ein kleiner Rockstar seiner Zunft. Aber da sind PHOENIX per Selbstdefinition in bester Gesellschaft.
"1901" rumpelt dann so ausgelassen schnurstracks Richtung Tanzfläche, dass weder Gesang noch Keyboards hinterher kommen. Und längst sind PHOENIX da angekommen, wo sie mit ihrer Musik schon immer sein wollten. Im Jetzt. Sie schreiben die Songs, die genau für dreieinhalb Minuten existieren und danach sofort wieder verschwinden. In diesen dreieinhalb Minuten sind sie allerdings das Zentrum der Party. Oder der Tanzfläche. Oder des Universums. Kein Wunder, dass eine gehauchte Textstelle wie "Fences in Rome" verwirrend nach "Dancing in the now" klingt. Der Unterschied zu früher ist lediglich, dass auf "Wolfgang Amadeus Phoenix" alles wesentlich zielstrebiger wirkt. Wer will darf PHOENIX aber auch weiterhin niedlich finden. Das hat die Band sowieso wieder einkalkuliert.
PHOENIX stört es wenig, wenn sie mit Songs wie "Lasso" verwirren, auf denen die Gitarren sekundengenau dosiert sind. Oder wenn sie aus "Rome" eine Nummer machen, die sich nach anfänglichem Dahinschleppen plötzlich in endlosen Wiederholungen wiederfindet. Und dann ist da ja noch "Love Like A Sunset Part I". Sieben Minuten Klimpern, Pluckern, Bollern. Tanzen und treiben lassen. Nur damit Teil "Part II" dann als unfertige, aber natürlich trotzdem ungemein charmante Akustik-Schmonzette daher kommt. Alles für den Moment eben. Was morgen ist, ist egal. Inzwsichen sollte man sich sowieso lieber überlegen, welche letzten Worte man PHOENIX in ferner Zukunft mal in den Mund legen wird. Irgendwas niedliches, wahrscheinlich.
Trackliste: 01. Lisztomania
02. 1901
03. Fences
04. Love Like A Sunset I
05. Love Like A Sunset II
06. Lasso
07. Rome
08. Countdown
09. Girlfriend
10. Armistice
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Letzte Aktualisierung ( 21.07.09 )
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