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10.06.09 |
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Auf'm Sonnendeck
Was ist der Sinn davon, es niemandem
mehr beweisen zu müssen? Richtig, es niemandem mehr beweisen zu
müssen. Wenn man das wiederum unbedingt beweisen will, dann ist der
eigene Anspruch doch sofort als erzwungen entlarvt. PLACEBO haben es
schon allen bewiesen. Ihr Sound war immer anders. Als Brit Pop cool
war, feierten PLACEBO unterkühlten Kajal-Rock, androgyn und mit den
seltsamsten Songs im Gepäck. Die hätten nach allen gängigen
Mechanismen der Musikwelt sowieso nie Hits werden können. PLACEBO
waren auf "Without You I'm Nothing" die Inkarnation der
Teenage Angst und auf "Black Market Music" die
perfektionierte Zelebration der Depression. Danach wurden sie zwar
etwas weniger relevant, aber gute Alben haben sie immer gemacht. Und
trotzdem: "Battle For The Sun" wirkt wie ein Zwang. PLACEBO
müssen nämlich nicht immer tottraurig sein und mit der Welt hadern.
Sie sind jetzt glücklich, mit allen Mitteln. Wetten? Sie sind
bereit, es zu beweisen.
Dabei schließt "Kitty Litter"
mit forcierten Disharmonien erstmal an den gemeinsten Opener der
Bandgeschichte an: "Taste In Men". Verzerrte Gitarren; mehr
puslierendes Gebilde, als wirklich Song. Allerdings sind die Zeiten
offensichtlich vorbei, in denen sich Brian Molko hinter dem eigenen
Verlangen verstecken musste: "The way you're moving / Hips from
side to side / Makes you all that I desire / Batsheba of my choosing,
I'm so unsatisfied / You got what I require". So was hätte es
früher nicht gegeben. Aber schon die gestylten Synthies und
fröhlichen Keyboards von "Ashtray Heart" sorgen für erste
Irritationen. Eingängige Hymnen haben sie ja schon immer
geschrieben, aber gleich so übermütig? Der Titeltrack macht dann
alles klar: PLACEBO geht es gut, und "Battle For The Sun" ist
das Album, das zur Spielwiese der neuen Euphorie wird. Erst
schleppend, dann repetitiv, dann völlig ausufernd. Geigen werden
aufgetürmt und Molko rastet völlig aus: "I'm going to battle
for the sun". Das lässt er sich nicht mehr nehmen.
Lässt man das etwas billig wirkende
"For What It's Worth" außen vor und hofft, dass sich die
90er demnächst bei PLACEBO und diesem Song melden, weil sie ihren
Sound wiederhaben wollen, dann funktioniert der neue Positismus sogar
richtig gut. Molko singt: "I've been wasting all my time with
the devil in the details", nur um dann in "Bright Lights"
zu perfiden, weil eigentlich unerträglichen aber irgendwie tollen
Keyboard-Hymnen festzuhalten: "No one can take it away from me /
And no one can tear it apart / Because a heart that hurts / Is a heart
that works". Das hat die Grenze zum Kitsch längst überschritten
und klingt auch so. Aber PLACEBO dürfen das natürlich mal wieder.
Weil sie konsequent dabei sind.
So ganz funktioniert ein PLACEBO Album
dann aber ohne den gelegentlichen Depressions-Tiefschlag doch nicht.
Songs wie das ständig explodierende, von Powerchords angetriebene
"The Never-Ending Why" wirken fast schon zu
simpel für das PLACEBO Universum. Dafür gibt es jetzt Xylophone und
Bläser. Und was der Sound dieser Band an Streichern ertragen kann,
ist spätestens bei "Julien" doppelt und dreifach
ausgereizt. Man braucht schon viel Verständnis, um sich vom
liebgewonnenen Image der klinisch-unterkühlten Dunkelrocker zu
verabschieden. Das taucht zumindest bis zum Finale von "Battle For
The Sun" nämlich nicht mehr auf. So steht dann am Ende auch
keine verzweifelte Elegie wie "Centerfolds" oder ein
Sehnsuchts-Statement schlechthin wie "A Song To Say Goodbye",
sondern das mehr oder weniger lässig gezupfte "Kings Of
Medecine". Und wer die sind, erklärt sich ja wohl von selbst.
Im Grunde sind PLACEBO also die alte Partyband geblieben. Nur feiern
sie nicht mehr die Depression, sondern einfach das Leben. Ob man
ihnen das gönnt, oder nicht, ist nun wirklich nicht mehr ihre Sorge.
Das haben sie bewiesen. Auch wenn sie es natürlich längst nicht
mehr nötig hatten.
Trackliste: 01. Kitty Litter
02. Ashtray Heart
03. Battle For The Sun
04. For What It's Worth
05. Devil In The Details
06. Bright Lights
07. Speak In Tongues
08. The Never-Ending Why
09. Julien
10. Happy You're Gone
11. Breathe Underwater
12. Come Undone
13. Kings Of Medicine
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Letzte Aktualisierung ( 19.06.09 )
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