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PLACEBO - Battle For The Sun


10.06.09
Image
 
Label:
PIAS Germany
 
Vö:
05.06.2009
 
Format:
CD
 
Links:
  
 
Bewertung

Redaktion:
4
 
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Auf'm Sonnendeck

Was ist der Sinn davon, es niemandem mehr beweisen zu müssen? Richtig, es niemandem mehr beweisen zu müssen. Wenn man das wiederum unbedingt beweisen will, dann ist der eigene Anspruch doch sofort als erzwungen entlarvt. PLACEBO haben es schon allen bewiesen. Ihr Sound war immer anders. Als Brit Pop cool war, feierten PLACEBO unterkühlten Kajal-Rock, androgyn und mit den seltsamsten Songs im Gepäck. Die hätten nach allen gängigen Mechanismen der Musikwelt sowieso nie Hits werden können. PLACEBO waren auf "Without You I'm Nothing" die Inkarnation der Teenage Angst und auf "Black Market Music" die perfektionierte Zelebration der Depression. Danach wurden sie zwar etwas weniger relevant, aber gute Alben haben sie immer gemacht. Und trotzdem: "Battle For The Sun" wirkt wie ein Zwang. PLACEBO müssen nämlich nicht immer tottraurig sein und mit der Welt hadern. Sie sind jetzt glücklich, mit allen Mitteln. Wetten? Sie sind bereit, es zu beweisen.


Dabei schließt "Kitty Litter" mit forcierten Disharmonien erstmal an den gemeinsten Opener der Bandgeschichte an: "Taste In Men". Verzerrte Gitarren; mehr puslierendes Gebilde, als wirklich Song. Allerdings sind die Zeiten offensichtlich vorbei, in denen sich Brian Molko hinter dem eigenen Verlangen verstecken musste: "The way you're moving / Hips from side to side / Makes you all that I desire / Batsheba of my choosing, I'm so unsatisfied / You got what I require". So was hätte es früher nicht gegeben. Aber schon die gestylten Synthies und fröhlichen Keyboards von "Ashtray Heart" sorgen für erste Irritationen. Eingängige Hymnen haben sie ja schon immer geschrieben, aber gleich so übermütig? Der Titeltrack macht dann alles klar: PLACEBO geht es gut, und "Battle For The Sun" ist das Album, das zur Spielwiese der neuen Euphorie wird. Erst schleppend, dann repetitiv, dann völlig ausufernd. Geigen werden aufgetürmt und Molko rastet völlig aus: "I'm going to battle for the sun". Das lässt er sich nicht mehr nehmen.


Lässt man das etwas billig wirkende "For What It's Worth" außen vor und hofft, dass sich die 90er demnächst bei PLACEBO und diesem Song melden, weil sie ihren Sound wiederhaben wollen, dann funktioniert der neue Positismus sogar richtig gut. Molko singt: "I've been wasting all my time with the devil in the details", nur um dann in "Bright Lights" zu perfiden, weil eigentlich unerträglichen aber irgendwie tollen Keyboard-Hymnen festzuhalten: "No one can take it away from me / And no one can tear it apart / Because a heart that hurts / Is a heart that works". Das hat die Grenze zum Kitsch längst überschritten und klingt auch so. Aber PLACEBO dürfen das natürlich mal wieder. Weil sie konsequent dabei sind.


So ganz funktioniert ein PLACEBO Album dann aber ohne den gelegentlichen Depressions-Tiefschlag doch nicht. Songs wie das ständig explodierende, von Powerchords angetriebene "The Never-Ending Why" wirken fast schon zu simpel für das PLACEBO Universum. Dafür gibt es jetzt Xylophone und Bläser. Und was der Sound dieser Band an Streichern ertragen kann, ist spätestens bei "Julien" doppelt und dreifach ausgereizt. Man braucht schon viel Verständnis, um sich vom liebgewonnenen Image der klinisch-unterkühlten Dunkelrocker zu verabschieden. Das taucht zumindest bis zum Finale von "Battle For The Sun" nämlich nicht mehr auf. So steht dann am Ende auch keine verzweifelte Elegie wie "Centerfolds" oder ein Sehnsuchts-Statement schlechthin wie "A Song To Say Goodbye", sondern das mehr oder weniger lässig gezupfte "Kings Of Medecine". Und wer die sind, erklärt sich ja wohl von selbst. Im Grunde sind PLACEBO also die alte Partyband geblieben. Nur feiern sie nicht mehr die Depression, sondern einfach das Leben. Ob man ihnen das gönnt, oder nicht, ist nun wirklich nicht mehr ihre Sorge. Das haben sie bewiesen. Auch wenn sie es natürlich längst nicht mehr nötig hatten.




Trackliste:

01. Kitty Litter
02. Ashtray Heart
03. Battle For The Sun
04. For What It's Worth
05. Devil In The Details
06. Bright Lights
07. Speak In Tongues
08. The Never-Ending Why
09. Julien
10. Happy You're Gone
11. Breathe Underwater
12. Come Undone
13. Kings Of Medicine

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Letzte Aktualisierung ( 19.06.09 )
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