|
08.07.09 |
 |  | |
Zu Besuch in Kanada
Kann man eigentlich zu oft betonen,
dass ARCADE FIRE die Musik gerettet haben? Seit ihrem Debüt
"Funeral" versucht schließlich jeder, der eine Gitarre
spielen kann und sich irgendwie in Richtung Folk orientiert, genauso
melodramatisch und exzentrisch zu klingen, wie das kanadische
Multiinstrumentalisten-Kollektiv. Und das war wohl das Beste, was dem Indie-Sound der letzten Jahre passieren konnte.
Mit Kanada haben THE MACCABEES allerdings so gar nichts zu tun. Nein,
sie sind Briten. Und als solche werden sie natürlich als haus- bzw.
inselgemachtes Phänomen gehandelt. Die Presse jubelt und das zweite
Album "Wall Of Arms" ist natürlich schon jetzt im
Rennen um die Platte des Jahres 2009.
Ob das verdient ist, sei mal
dahingestellt. Was allerdings schon der Opener "Love You Better"
mit ausschweifendem, repetetivem Refrain und den obligatorischen Bläsern beim Finale schafft, ist durchaus bemerkenswert. Da sitzen die
Gitarren und der Pathos wird langsam als Dauerbegleiter für das
Album eingeführt. Mit dieser Marschrichtung lässt sich dann auch
wunderbar arbeiten. "Young Lions" hangelt sich an
reduzierten Gitarren- und Basslinien entlang, bevor der wild tanzende
Refrain dann durchaus von einer Zehn-Mann Kombo gespielt sein könnte,
und nicht von diesem quirligen Quintett. Hier zeigt sich allerdings
schon, dass es mit der ausgelassenen Pop-Stimmung des Debüts "Colour
It In" vorbei ist. Spätestens "No Kind Words" wabert
und dröhnt dann bis zum kurzzeitigen Stillstand richtig bedrohlich
vor sich hin. "If you've got no kind words to say / You should
say nothing more at all", wirft Sänger Orlando Weeks in die
Dunkelheit, und da ist es erst mal vorbei mit dem Glauben an das süße
Indie-Kollektiv.
Vor Enttäuschungen ist man aber auch
bei den MACCABEES nicht gefeit. Wäre ja auch zu schön. So stellen
sich spätestens bei "Dinosaurs" merkliche
Wiederholungen ein, wenn sich aus bedächtigen Strophen am Ende wieder
einmal ein exaltierter Refrain herausschält, der irgendwie
vorhersehbar war. An der Qualität von Songs wie "Kiss And
Resolve" kann das zum Glück recht wenig ändern. Einen Refrain
wie: "Oh oh oh my love / There's ritual in the dance my love /
And under day old sheets / We will dance my love", könnte man
zwar als arg erzwungen bezeichnen, aber wenn die besungene Extase
dann auch in eine musikalische mündet, bleiben wenig Wünsche offen.
Und bevor jetzt irgendjemand denken könnte, dass hier nur ein
Schreiberling seinen Fetisch für eine gewisse kanadische Band
befriedigen wollte, der soll erstmal nachsehen, wer als Produzent von
"Wall Of Arms" seine Finger im Spiel hatte. Richtig, Markus
Dravs, der auch schon maßgeblich am zweiten Album "Neon Bible"
von, eben, ARCADE FIRE beteiligt war. Aber wenn sich die Gerüchte
bestätigen und von denen bald ein neues Album ansteht, dann haben
auch die MACCABEES wieder genug Zeit, eifrig nachzuahmen.
Interview
mit THE MACCABEES
Trackliste: 01. Love You Better
02. One Hand
03. Can You Give It
04. Young Lions
05. Wall Of Arms
06. No Kind Words
07. Dinosaurs
08. Kiss And Resolve
09. William Powers
10. Seventeen Hands
11. Bags Of Bones
Ähnliche Bands auf www.triggerfish.de: |
ARCADE FIRE - Neon Bible MALAJUBE - Labyrinthes WOLF PARADE - At Mount Zoomer THE RAKES - Klang | | | | Nachricht an Autor eric@triggerfish.de | | | | Weitere Beiträge von Eric Baudner | |
|
Letzte Aktualisierung ( 09.07.09 )
|