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r/v: ZWARTE CROSS - 25.07.2009, Lichtenvoorde (NL)
| 26.07.09 | ||||||||||||
Motorcross-Kirmes-Musikfestival
ZWARTE CROSS - nie gehört? Kein Problem, denn so erging es uns bis vergangenen Montag ebenfalls. Dabei ist das Festivalspektakel im niederländischen Lichtenvoorde eigentlich kaum zu übersehen: Drei Tage lang wird der Ort geradezu hermetisch abgeriegelt und auf einem riesigen Areal finden die unterschiedlichsten Aktivitäten statt. Im Mittelpunkt steht dabei - daher auch der Name - Motorcross. Allerdings gibt es auch für alle, die mit dem Motorenlärm nicht soviel anfangen können, genug Alternativen. Ein komplettes Theaterprogramm, Stunts, Kirmesfahrgeschäfte, diverse Restaurants und Essensstände, ein ganzes "Blagenparadijs" für die lieben Kleinen und zahlreiche Aktivitäten gilt es zu entdecken. Achja, und an die 100 Musikacts treten auch noch auf den unterschiedlichsten Bühnen auf. Völlig zurecht pilgerten in diesem Jahr daher insgesamt 132.000 Festivalbesucher zum ZWARTE CROSS - der Name klingt auch so schön! - und die Veranstalter konnten erfreut "Wij zijn uitverkocht!" verkünden. Umso erstaunlicher, dass die Organisation dennoch reibungslos klappte und wir innerhalb von nur zwei Stunden unsere Akkreditierung ausdrucken konnten. Aber kein Wunder, schließlich sind wir (laut der netten Anwesenheitsliste) nun die bekannte "Duitse Metaal-Website" Triggerfish.de. Um diesem neu gewonnenen Ruf auch gerecht zu werden, konzentrierten wir uns musikalisch auf die "Metalweiden" mit dem Aardschock-Podium als Bühne. Nach verschiedenen Erkundungstouren über das Gelände und dabei beobachteten Auftritten von diversen Blasmusikkapellen auf der nächst größeren Bühne bzw. MOTÖRHEAD-Coverbands im großen Zelt, erwies sich diese Wahl wahrscheinlich auch als die richtige. Gegen 15 Uhr starteten dann WALLS OF JERICHO ihren Auftritt vor den Metalheads und anderen Musikfreunden, die sich am bösen Eingangstor und der riesigen Fledermaus vorbei getraut hatten. Die Detroiter standen ebenfalls mit gelichteten Reihen auf der Bühne, denn Frontfrau Candace musste aufgrund eines familiären Notfalls zurück in die Staaten fliegen, so dass sie für etwa eine Tourwoche ausfällt. Gut, dass die Kollegen von THE RED CHORD - die laut eigener Aussage zu schlecht waren, um selber beim ZWARTE CROSS auftreten zu dürfen - ebenfalls mit angereist waren und sich am Mikro abwechselten. Man muss WALLS OF JERICHO sehr zugute halten, dass sie aus einer schwierigen Situation das Beste zu machen versuchten, anstatt einfach alle Shows abzusagen. Jedoch wurde auch schnell deutlich, dass die Ersatzsänger nur eine sehr begrenzte Vorbereitungszeit hatten und somit ca. 75% textsicher waren. Bei Songs wie "Welcome Home", "A Trigger Full Of Promises" oder gerade neueren Titeln wie "Feeding Frenzy" und "The American Dream" konnten das Publikum ab und an beim Text aushelfen - im Zweifelsfall tut es auch ein aus Leibeskräften gebrülltes "Fuck", um Candace gewohnte Bühnenpräsenz zumindest einigermaßen in Ehren zu halten. Beim letzten Song "Revival Never Goes Out of Style" wurde dann nochmals mit vereinten Kräften ein kleiner Männerchor auf der Bühne zusammengetrommelt und Dank ausgedruckten Lyrics das Set textsicher zu Ende gebracht. "THE RED CHORD OF JERICHO", wie später von COMEBACK KID betitelt, ist zwar kein adäquater Ersatz für das Original, aber immer noch besser als nichts. In gewohnter Besetzung übernahmen danach COMEBACK KID die Bühne, während auf dem Platz davor weiterhin von dicht gedrängten Reihen keine Spur zu sehen war. Sänger Andrew mutmaßte, dass, während die Metalheads zwar am headbangen seien und sogar kleine Circle Pits zustande brachten, die Hardcore-Kids einfach nicht ihre neuen Sneakers mit Schlamm besudeln wollten. Nichtsdestotrotz ließ er selber sich nicht davon abbringen, auf der Bühne alles zu geben, und auch Jeremy nutzte die weitläufige Bühne, um wie ein Berserker mit seiner Gitarre neue Schneisen in die schwüle Festivalluft zu ziehen. Tatsächlich traute sich ein Festivalbesucher via Crowdsurfing über die Absperrung - nur um unsanft direkt auf den Grasboden zu fliegen. Die drei (ja, drei!) Securityleute hatten sich wohl schon an ihren ruhigen Job gewöhnt und saßen geradezu wie Bademeister auf der Absperrung, um ihre Adleraugen über die Besucher schweifen zu lassen. Bis auf diesen einen Ausfall (bzw. eher Aufprall. Ha. Ha.) hätte es auch sonst keine Einsatzmöglichkeit für die Ordnungshüter gegeben. Dennoch konnte sich der ein oder andere aus seiner temporären Paralyse befreien und reckte eine oder gar zwei Fäuste in die Luft und zeigte sich sogar textsicher - wenn auch eher nur beim obligatorischen "Wake The Dead". Man nimmt, was man kriegen kann, und so spielten sich COMEBACK KID durch ein ausgiebiges Set, u.a. mit Broadcasting, Defeated, Hailing On Me, Step Ahead, Die Tonight, All In A Year, False Idols Fall, Partners In Crime, Talk Is Cheap, Our Distance und eben bereits erwähnten "Wake The Dead" als Abschluss. Eigentlich hatte einer der stets freundlichen und hilfsbereiten Festivalmitarbeiter uns den heißen Tipp gegeben, dass um 17 Uhr jemand von "der Bierflasche" runterspringen sollte. Gemeint war das knapp 70m hohe und in ein Biergewand gehüllte Gerüst, das passenderweise direkt neben der "Stunt"-Area angesiedelt war. Aber runterspringen? Mit einem Bungeeseil? Nein! Das ZWARTE CROSS wäre nicht das ZWARTE CROSS, wenn es sich mit solchen Lappalien zufrieden geben würde. Runtergesprungen wird natürlich mit einem Motorrad. Unser Informant war auch darüber bestens im Bilde: Der aktuelle Weltrekord für einen solchen Sprung von einer Rampe liegt bei etwa 45m und der Fahrer habe sich beim Aufprall beide Handgelenke gebrochen. Als Laie möchte ich behaupten: Da hat er dennoch ganz schön Glück gehabt. Jedenfalls fuhr gegen 17:30h dann tatsächlich jemand an der Bierflasche hoch und es gab ein mächtig ballerndes Feuerwerk - nur runtergesprungen ist dann doch niemand. Vielleicht wurde der Zündschlüssel vom Motorrad irgendwo verlegt.. eine bittere Enttäuschung! Abgesehen davon konnte der Festivalsamstag vom ZWARTE CROSS aber dennoch überzeugen. Ein wenig negativ fielen nur die teuren Essensmarken - übrigens an den wunderschönen Ständen mit "den Beinen" (s. Fotogallery) einzutauschen - auf, die dann zu allem Überfluss auch nur am letzten Tag zurückgetauscht werden konnten. Was ist denn mit den Tagesgästen? Die meisten ließen sich davon aber nicht abschrecken und kauften direkt für 150€ eine ganze Palette Marken - ist ja auch nur einmal im Jahr ZWARTE CROSS! Wer sich im Vorfeld aus dem vielfältigen und umfassenden Programm seine Highlights rauspickt und sich vom Rest überraschen lässt, wird hier einen entspannten und tollen Festivaltag haben, sei es mit Musik, Sport, Theater oder Karussellfahren. Fotos: Sabrina Thron
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