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09.10.09 |
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Das beste Stück vom fremden Teller
Gestern war auch schon ein Tag ist der zweite Erzählungsband von Finn-Ole Heinrich, der spätestens nach seinem Erstlingsroman Räuberhände von 2007 zu den größten Hoffnungen der deutschen Literatur zählt. Bevor man das Buch aufschlägt (und unbedingt meckern will) könnte man denken: nach zwei Jahren Warten „nur“ eine Sammlung von Erzählungen? Wenn man das Buch, nach der Lektüre der 8 Erzählungen wieder zuschlägt ist man schlicht beeindruckt, in jeder Episode schlummert der Stoff zu einem großen Roman, aber Heinrich beendet jede Erzählung auf dem Höhepunkt der Wirkung.
Die Geschichten, die uns der Hamburger Autor erzählt, lassen einen nicht unbedingt gut gelaunt in den nächsten Tag starten, sind sie doch geprägt von Schicksalsschlägen, Depression, Krankheit, Perversion und Skurrilität des Alltags und nicht zuletzt dem Tod. Sein klarer Erzählstil ermöglicht dem Leser sich schnell in die jeweilige Handlung einzufinden und vor allem einzufühlen.
Die Umschreibung hard stuff trifft es genau, was der Leser hier findet. Der Autor hat keine Angst Tabus anzusprechen wenn z. B. der Ich-Erzähler seine Freundin, der ihr Bein amputiert wurde, nur noch abstoßend findet und nichts in der Beziehung ist wie vorher. Ein Müllmann dreht durch oder ein erfolgreicher Anwalt füllt die Leere in seinem Leben durch hemmungslose Gewalt am Wochenende, in der Rolle des Hooligans beim Fußball.
Marta ist mit Abstand die längste Erzählung in der Sammlung und gleichzeitig der Höhepunkt des Buches: in etwas mehr als 50 Seiten gelingt es Finn-Ole Heinrich (ohne jeden Kitsch) eine Liebesgeschichte zu entwerfen, die einen wirklich mit den Tränen kämpfen lässt. Marta ist todkrank und sie ist sich dessen auch bewusst und möchte die letzten Momente ihres Lebens voll auskosten, ihr Freund Paul möchte sie aus ihrem rauschhaften Abschiedstrip aber lieber in die Abgeschiedenheit nach Ostfriesland entführen, als er sich endlich dazu durchringt ist es jedoch zu spät. Hier werden die schleswig-holsteinischen Wurzeln des Autors deutlich.
Diese Erzählung ist das perfekte Beispiel für das erzählerische Potential des Autors. In einem Interview kündigte Finn-Ole Heinrich kürzlich an das sein nächster Roman wahrscheinlich erst erscheinen wird wenn er 30 ist; das wäre in drei Jahren der Fall. Man kann nur hoffen dass es vielleicht schon vorher etwas mit seinem nächsten „richtigen“ Buch wird.
Sollte es ihm gelingen seinen intensiven, klaren und treibenden Stil beizubehalten (das ihm die Ideen ausgehen ist wahrlich nicht zu erwarten) dann unterhalten wir uns in drei Jahren nicht mehr über eine der größten Hoffnungen der deutschen Literatur sondern über einen der größten Autoren seiner Generation.
Links: Homepage des Autors: www.finnoleheinrich.de Autor auf Literaturport: www.literaturport.de Autor auf Myspace: www.myspace.com/finnoleheinrich
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Letzte Aktualisierung ( 24.07.10 )
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