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10.11.09 |
 |  | | Kreis-verkehrt
Manche Platten sind
einfach wichtig. "Human Clay" war so eine Platte. Warum das
so war, das lässt sich aus heutiger Sicht allerdings nur schwer
rechtfertigen. Sicher, der Verfasser dieser Zeilen kann das mit einer
Mischung aus nostalgisch verklärtem Stolz und und Scham als
Jugendsünde abtun. "Higher", "With Arms Wide Open"
und "What If", das waren schließlich große Songs!
Zumindest, wenn man damit seine ersten richtigen Parties inklusive
Ende über der Kloschüssel verbindet. "Can you take me higher?
/ To the place where blind men see...", schon klar. Mit 15 hatte
das etwas Erhebendes. Die Frage ist nur, ob die weltweit über 11
Millionen Käufer von "Human Clay" allesamt
pubertierende Jungs auf dem Weg durch die Irrungen des musikalischen
Selbstfindungsprozesses waren. Denn wenn das so wäre, hätten CREED
jetzt mit „Full Circle“ ein ziemliches Problem.
Denn wer soll sich dann
für dieses Album bitte noch interessieren? Nicht genug, dass die
Herren um Jesus' besten Kumpel Scott Stapp schon mal drei Alben
lang irgendwie dasselbe zwischen Post-Grunge und Pop-Rock, und natürlich zwischen Himmel
und Hölle fabriziert hätten. Mit "Full Circle" wird jetzt ganze
acht Jahre nach dem letzten musikalischen Lebenszeichen auch noch ein
Album hinterhergeschoben, das dem Klangkosmos der
Pathos-Glaubenskrieger wirklich gar nichts Interessantes hinzufügt.
Und das ganz und gar unchristliche Unheil nimmt schon bei der ersten
Single "Overcome" seinen Lauf. Da wird alles, was CREED früher
mal ausmachte, einmal komplett neu aufgegossen. Da fliegen die Fetzen
wie in "What If", oder "Bullets" und da brettern die Gitarren
wie an jeder Stelle, wo CREED ihre Songs schon zu besseren Zeiten
gerne unnötig ausgedehnt haben. Und damit auch wirklich nichts
schief geht, füllt die zweite Single "Rain" perfekt die Lücke,
die wie eh und je für die Power-Ballade freigehalten wurde: "I
feel it's gonna rain like this for days / So let it rain down ond
wash everything away / I hope tomorrow the sun will shine / With
every tomorrow comes another life"... "Hold me now, I'm six feet
from the edge"... jaja, das kennen wir schon.
Es lässt sich nur
mutmaßen, warum sich CREED zu "Full Circle" durchgerungen haben.
Geldsorgen können es kaum sein. Wohl eher die alten
Männerfreundschaften, die man nach der ganz groß ausgetragenen
Trennung 2004, eben noch mal mindestens genauso groß aufleben lassen
muss. Gemeinsames Mattenschwingen, und so. Was soll's, BON JOVI hören
ja auch einfach nicht auf. Wer's mag, darf also acht Jahre nach dem
seinerzeit wirklich akzeptablen "Weathered" erneut die
Luftklampfe zu "With Arms Wide Open" schwingen, das jetzt
allerdings "Away In Silence" heißt. Mit Zeilen wie "Don't give
up on us / Don't give up on love" schlagen die Songs allerdings
sämtliche bisher von CREED bekannte Kitsch-Sümpfe mit Leichtigkeit. Und das ewig Arme Ausbreiten wird auch langsam anstrengend. Aber damit niemand behauptet, dass hier einseitig und ungerecht
geurteilt wird, muss man CREED eine konstante Weiterentwicklung
definitiv zugestehen: Das Cover von "Full Circle" ist sogar noch
hässlicher als das von "Weathered". Und das ist nun wirklich mal
eine Leistung!
Trackliste: 01. Overcome
02. Bread Of Shame
03. A Thousand Faces
04. Suddenly
05. Rain
06. Away In Silence
07. Fear
08. On My Sleeve
09. Full Circle
10. Time
11. Good Fight
12. The Song You Sing
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Letzte Aktualisierung ( 10.11.09 )
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