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r/v: TELE & TOM LÜNEBURGER - 19.02.10, Hannover, Indiego Glocksee
| 22.02.10 | ||||||||||||
Entspannt durch die Nacht
So entspannt sind Konzertabende selten: Kaum hat man sich im angenehm gefüllten Indiego Glocksee eingefunden, schon schmeicheln einem die ersten wohlgezupften akustischen Gitarrenklänge im Ohr. Ganz allein steht TOM LÜNEBURGER vor der klönenden Schar. Der Mann mit dem schicken Anzug und der stylischen Sonnenbrille gibt sich die Ehre, am Freitagabend das Konzert von Tele in dem Laden in der Calenberger Neustadt zu eröffnen. Eigentlich sieht der Mann nicht aus wie der superbe Songwriter, als den er sich in der kommenden halben Stunde zu erkennen gibt. Vom Äußeren her schient Lüneburger eher einer dieser hippen jungen Popmusikhelden zu sein, die in den üblichen Fernsehshows abgefeiert werden. Die Live-Hörprobe am Freitag beweist allerdings das absolute Gegenteil: Der Mann zeigt sich weit entfernt von abgedroschenen Hits, die munter auf die Charts zielen. Lüneburger präsentiert gutes altes Songwriting mit toll arrangierten Strukturen. Dazu wärmt er das Herz mit seiner tief gehenden Stimme und ist damit der willkommene Kontrapunkt zum schmuddeligen feuchtkalten Wetter, das draußen vor den Türen ausgesperrt bleibt. Ein großer Teil des Publikums lauscht andächtig den Klängen, die da so lockerflockig aus den Boxen purzeln. Nervig sind allerdings die wenigen klönenden Anwesenden, die sich dafür umso lautstärker kundtun und den anderen Musikfreunden mit ihrem Geschwafel ordentlich auf den Geist gehen. Jungs, geht halt raus, wenn ihr die Musik nicht hören wollt! Nach dieser kurzweiligen halben Stunde und einer kurzen Rauchpause entern dann die fünf Herren und die Dame von TELE die Glocksee-Bühne – und die zögern nicht lange, ihre Zuhörer mit feinsinnigen und wunderbar arrangierten Songs zu umgarnen. Die Berliner starten ihr Konzert mit ihrem alten Hit „Mario“, der aber nur die Schlinge auslegt für die noch viel besseren Songs, die in den nächsten knapp 90 Minuten folgen sollen. Entspannte Sounds, gespickt mit dezenten Keyboardklängen, kurzen Bläsereinsätzen und erdigen Grooves legen sich wie ein Teppich um die Schultern der Zuhörer. Tele sind Pop, Tele sind Soul, und manchmal sind Tele auch ein bisschen Funk oder Folk. Auf jeden Fall sind sie dabei aber immer und durchgehend: Tele. Und sie sind gut. Und sympathisch. Sänger Francesco Wilking sieht mit seinem Rauschebart, seinen zotteligen Haaren und dem darauf sitzenden lässigen Hut aus wie ein Student kurz nach dem ersten Morgenkaffee. Sein Band-T-Shirt mit dem Koalabäraufdruck („Das ist doch kein Koalabär. Na gut, es sieht fast aus wie einer“) lässt ihn jugendhaft und ein bisschen frech erscheinen, und so kommt auch die Musik daher, obwohl sie trotzdem aus allen Poren erwachsen und durchdacht klingt. Ansagen gibt es nicht viele. Wenn aber doch, dann treffen sie auf den Punkt. Wie vor dem Stück „Intergalaktische Missionen“, bei dem sich der Sänger den Text in einer langen Nacht ausgedacht haben will und ihn dann per SMS an seine Bandkumpels schickt. Die senden ihm die Musik dann via Satellit zurück. Klingt komisch, ist aber so, wie einem Wilking glauben machen will. Solch sympathisch-spinnerte Elemente finden auch Einzug in die Musik des Sextetts. Immer mal wieder brechen Tele ihre durchaus radiokompatiblen Songs mit kleinen Kniffen in ihrem Songwriting auf. Das sind manchmal dezent eingestreute Bläsersätze oder perkussive Elemente, ein anderes Mal bringt Wilking einen fluffigen Rap über die Lippen. Schön zu sehen, wie entspannt eine Band und ein Songwriter ihre Fans derart kurzweilig durch die Nacht bringen können.
Fotos: Daniel Junker
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| Letzte Aktualisierung ( 25.02.10 ) | ||||||||||||
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