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r/v: ANTITAINMENT - 12 + 13.07.10, Köln & Oberhausen


20.07.10
ImageBegeisterung auf Einbahnstraßen

Rheinland und Ruhrgeiet. Köln und Oberhausen. Underground und Druckluft. Eine Band. Zwei Mal kurz aber zwei Mal gut.

Von wegen Antitainment. Live unterhält die Band aus der Nähe von Frankfurt ihr Publikum bestens. Zumindest musikalisch. Denkt man eine halbe Stunde lang. Und dann verschwindet die Band ohne (richtige) Zugabe von der Bühne und der Name ist wieder Programm. Sympathisch und nah an den Fans geht anders. Aber anders und normal ist langweilig und Antitainment sind alles andere als langweilig und normal – sonst wär man ja auch nicht hier.

Hier, dass ist im Underground in Köln und am darauffolgenden Tag in einem kleinen Nebengebäude des Druckluft in Oberhausen, das derzeit umgebaut wird. Zwei Konzerte einer langen Tour die kurz und knackig zeigten, warum diese Band von Jahr zu Jahr mehr Fans gewinnt und von diesen auch noch bedingungslos geliebt wird. Die Betonung liegt dabei auf bedingungslos, dann einfach machen es die Herren ihren Anhängern wie bereits erwähnt nicht.

Sympathiebekundungen gab es nur in eine Richtung – nämlich vom Publikum zur Band. Diese agierte äußerst wortkarg und war dabei nicht einmal nett. In Köln unterband Sänger Tobi die "Antitainment" und „Viel besser als deine Band“-Rufe etwas genervt mit der Bemerkung, die Beteiligten wüssten wohl alle sehr wohl, wo sie sich befänden. In Oberhausen wurde das sehr junge Publikum vor der Bühne ermahnt, die älteren Zuhörer – die überwiegend hinten standen – auch mal was sehen zu lassen. Wer da jetzt beleidigt wurde – die Jüngeren oder die Älteren – ist Auslegungssache. Eine konventionelle Band-Fan-Beziehung ist das jedenfall nicht, aber wer dermaßen überzeugend seine Musik für sich sprechen lassen kann, hat Anbiederungen jedweder Art auch nicht wirklich nötig.

Und das ist der Punkt. Eine frischere und lebendigere Band wie Antitainment findet man derzeit hierzulande schwer. Ihr Mix aus Hardcore, Punk und Electro ist ungemein aufregend und hat – auch wenn es auf dem Papier so klingt – nichts mit dem Electropunk-Stumpfsinn zu tun, der derzeit die Clubs regiert. Ihre Texte sind gnadenlos überspitzt und parolenhaft auf den Punkt gebracht und nehmen keine Rücksicht auf irgendwelche Befindlichkeiten. Das fetzt schon von der Platte – und knallt live noch einmal doppelt so laut.

Gespielt wurden zum größten Teil die Lieder des neuen Albums Ich kannte die, da waren die noch real! sowie ein paar Eindrücke aus dem Vorgänger Nach der Kippe Pogo!?, wie zum Beispiel das begeistert aufgenommen Sechstagewoche-Gummimann. Das Debütalbum wurde – leider – gar nicht berücksichtigt. Aus der Anfangszeit schaffte es aber das abgefeierte Autonom in die Setlist, bevor die Konzerte dann viel zu schnell mit dem großartig satirischen Eigentlich wollte ich ja nicht mehr über Musik reden, sondern raven endeten. Anschließend half alles schreien der Zuhörer nichts – Antitainment kamen an beiden Abenden nicht mehr zurück. Aber: die dürfen das.

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Nachricht an Autor felix.koesterke@triggerfish.de
 
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Letzte Aktualisierung ( 01.09.10 )
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