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LIT: CHARLES BUKOWSKI - Pulp


24.02.11
Image
 
Label:
Kiepenheuer & Witsch
 
Vö:
24.02.2011
 
Format:
Taschenbuch, 192 Seiten
 
Links:
  
 
Bewertung

Redaktion:
6
 
Leser:  
Das meinen unsere Leser!
 


 

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Ich war Hollywood


Pulp ist der letzte Roman Charles Bukowskis. Erschien ist er in deutscher Sprache erstmals 1997, unter dem Titel Ausgeträumt (dtv, München). Er muss zum Besten gezählt werden, was er je zu Papier brachte. Übersetzer ist sein langjähriger Freund Carl Weissner.

Um sein finales Werk, in dem er sich zum „letzten Rest des unverfälschten Hollywoods“ zählt, in allen Facetten zu begreifen, muss man sich vor Augen halten, das Bukowski es im Endstadium seiner Krebserkrankung verfasste. Nachdenkliche Monologe,  Gesprächssequenzen, die sich mit diversen Aspekten der Existenz beschäftigen, aber auch zahlreiche Querverweise auf literarische Vorbilder und Weggefährten (z. B. John Fante und William Faulkner), die man leicht überliest, zeugen von einer Lebensbilanz und der Auseinandersetzung mit dem bevorstehenden Tod.

Der Plot von Pulp ist nicht revolutionär, eher der Wechsel des Hauptprotagonisten und die Hinwendung zu mehr Fiktionalität: aus Henry Chinaski (Autobiografisch) wird Nick Belane (Fiktion). Belane ist ein abgefuckter Privatdetektiv, einsam und gewaltbereit, der stets eine 45er mit sich führt, denn „ein Schnüffler ohne Knarre ist wie ein kastrierter Kater“. Seine Freizeit füllt er mit Barschlägereien, Alkohol, Masturbation und dem Abarbeiten an der weiblichen Psyche. Dieser muss sich mit einigen obskuren Aufträgen herumschlagen. Fälle, die ihm besonders zu schaffen machen, bestehen darin, den bereits verstorbenen französischen Schriftsteller und Arzt Céline (d. i. Louis-Ferdinand Céline) dingfest zu machen und den Red Sparrow (dt. roter Sperling) zu finden. Zudem meldet sich regelmäßig ein gewisser Jack Bass, in Sorge, dass seine Frau mit einem anderen fickt.

Eine Auftraggeberin ist Lady Death, die weibliche Reinkarnation des Todes, die Belane, immer wenn sie auftaucht, darauf hinweist, das sie noch eine Rechnung offen haben und an seinem Lebensstil herummäkelt („Du isst zu viel Fritten, Du hast wieder Bier genuckelt …“).
Erstmals tauchen auch Science Fiction-Elemente bei Bukowski auf: Außerirdische haben es sich zum Ziel gesetzt, die Erde zu kolonisieren, müssen aber feststellen, das es sich bei der Erde um einen hoffnungslosen und traurigen Ort handelt. Anführerin der Außerirdischen ist Jenny Nitro, die zusätzlich an den Kräften des Detektivs zerrt. Belane reagiert entsprechend: „Ihr Weiber habt nichts als Todesdrohungen für mich. Na, vielleicht hab ich da auch noch mitzureden...!“

Belange gelingt es nach und nach die Fälle zu lösen, doch der Weg zum besten Schnüffler von L. A. ist hart und hinterlässt Spuren: er fühlt sich zusehends niedergeschmettert und kaputt, wähnt sich verrückt und zweifelt, ob das alles wirklich passiert. Zudem steht noch immer die Begegnung mit dem Red Sparrow aus…
Charles Bukowskis kriminalistisches Debüt lässt durchaus Vergleiche mit einigen Pionieren der hardboiled novel wie Raymond Chandleroder Dashiel Hammet zu.

BUK bürstet in Pulp kräftig gegen den Strich und ihm gelingt es, die Erzählung einer Parabel seines Lebens gleichen zu lassen. Was dem Leser, neben den stilistischen Neuerungen, besondere Freude bereitet, ist das Gefühl auf jeder zehnten Seite einem Satz für die Ewigkeit zu begegnen.

Meine persönliche Top 3 möchte ich euch nicht vorenthalten:

„Für Beine hatte ich schon immer eine Schwäche. Es war das Erste, was ich gesehen hatte, als ich geboren wurde. Aber damals versuchte ich rauszukommen. Seither arbeitete ich in die andere Richtung.“

„Manchmal seh´ ich meine Hände an und sage mir: Aus dir hätte ein großer Pianist oder so was werden können. Aber was hab ich mit meinen Händen gemacht? Mich am Sack gekratzt, Schecks ausgestellt, Schnürsenkel gebunden, Klosettspülungen betätigt usw. Ich habe mit meinen Händen nichts angefangen. Und mit meinem Kopf auch nicht.“

 „Natürlich schliefen auf der Straße auch Leute, die was taugten. Sie waren keine Idioten; sie erfüllten nur nicht den Anforderungen des Augenblicks.“


 
Nachricht an Autor martin.willems@triggerfish.de
 
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Letzte Aktualisierung ( 16.05.12 )
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