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04.10.04 |
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Status Quo, mal eben so
Die Shins können nur
gewinnen. Vorausgesetzt, des Hörers Herz ist empfangsbereit für
solch einen Einstieg in eine Platte, der Leute wie mich, die bei so
etwas sofort schwach werden, umgehend zum Fan macht: dezente
Handclaps, darauf eine geschrammelte Westerngitarre, flüchtiger
Gesang. Plötzlich brät eine unverzerrte E-Gitarre herein, und
auf einmal mutiert dieser einsame Spätsommerflirt eines kleinen
Mannes mit einer Gitarre zum weltumarmenden Crescendo. "Kissing The Lippless" klingt eigentlich wie das Ende eines Sommertages,
wurde von den Shins aus Albuquerque, New Mexico jedoch an den Anfang
von "Chutes Too Narrow" platziert. Und man zeige mir diesen
Menschen, der da nicht sofort durch die seltsam eiförmige
Fantasielandschaft vom Cover tollen will.
Bereits drei Jahre
zuvor überraschte das Shins-Debüt "Oh Inverted World" mit
einem Dutzend leicht schrulliger Pop-Kleinode, doch wenn man das, was
die Band auf "Chutes Too Narrow" losreißt, verbal umreissen will,
ist ein Wort wie ?Kleinod? in seiner Konnotation viel zu tiefstapelnd
und verniedlichend. Denn auf diesem Album haben die Shins derart
gewieft komponierte Asse im Ärmel, dass sie die Theorie provozieren,
gäbe man diesen unfotogenen Landeiern Jobs als Ghostwriter im
Popgeschäft, die Shins wären bald in aller Munde. "Fighting In A Sack" zum Beispiel hat eine solche Fülle an Hooks und Gimmicks
im Sack, die derart rasant und komprimiert in zweieinhalb Minuten
alles abdecken von Bababa-Chören über Mollausflug in der Bridge zu
einem Mundharmonikasolo, dass das hier alles viel zu perfekt und
schlau ist und die Suche nach dem perfekten Popsong mehr als einmal
erfolgreich abschließt, um sie als liebenswerte, ewig juvenile
Weirdos abzustempeln, auch wenn James Mercers Stimme so
stoisch nölt wie eh undje und hier stets ein Augenzwinkern zugegen
ist, so wird beispielsweise das penetrant falsche Anzählen der Songs
zum Running-Gag institutionalisiert.
"Turn The Square" spielt gewitzt mit einem dieser Riffs, ohne die bei Weezer seit "Maladroit" gar nichts mehr geht und verwebt im Refrain leichte
Synthie-Sounds in die Powerpop-Akkordwechsel. Das Glockenspiel in "Saint Simon", die 60's Chöre im stampfenden "So Says I" oder die
verträumte Pop-Stromschnelle "Mine's Not A High Horse", die
Shins setzen jeden Ton an die richtige Stelle, und das mit
beeindruckender Nonchalance. So wertvoll wie der Duft von
Sommerwiesen nach dem Moment, in dem die Sonne kurz den Wolken
weichen musste. Sieben zwingende Hits und drei reine, nicht minder
gelungene Folkpop-Ausflüge "Chutes Too Narrow", neuer Status Quo
in Sachen leicht verquerer Pop und ein echter Freund fürs Leben,
dessen einzige Macke ist, dass er bei aller Unfehlbarkeit ein
bisschen undurchschaubar ist.
Trackliste: 1. Kissing The Lipless
2. Mine?s Not A High Horse
3. So Says I
4. Young Pilgrims
5. Saint Simon
6. Fighting In A Sack
7. Pink Bullets
8. Turn A Square
9. Gone For Good
10.Those To Come | | | | | Nachricht an Autor Schubert_Jost@web.de | | | | Weitere Beiträge von Alina Schubert-jost | |
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Letzte Aktualisierung ( 15.07.09 )
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