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 Live Gig mit den Düsseldorfer Symphonikern
Die PHONEHEADS sind seit 1997 eine Institution in Sachen Drum and Bass. Die Düsseldorfer Michael Scheibenreiter und Philipp Maiburg brachten das erste "Drum and Bass" Musikvideo ins deutsche Musikfernsehen, gewannen u.a. den "Goldenen Goldfisch", legten bei etlichen Festivals, wie u.a. dem Bizarre, Nature One, SonneMondSterne und Elctronic Beats, auf und waren ständig in Europa unterwegs. Jetzt nach 10 Jahren wird es eine ganz besondere "Geburtstagsparty" geben, denn die PHONEHEADS werden am 14.03.07 in der Tonhalle Düsseldorf ihren ersten Live-Gig zusammen mit Band und den Düsseldorfer Symphonikern bestreiten. Eine äusserst interessante Konstellation welche einen sehr interessanten Abend verspricht und Anlass genug war den beiden ein paar Fragen zu diesem Projekt zu stellen.
Das Rockbands mit klassischen Orchestern zusammenarbeiten ist ein alter Hut. Aus dem elektronischen Sektor weiss ich persönlich jetzt nur von Jeff Mills der mit dem Montpellier Philharmonic Orchestra zusammen auftrat. Wie kam es denn bei euch zu der Idee euren Drum and Bass-Sound mit dem klassischen Sound zu verbinden, wie seid ihr an die Düsseldorfer Symphoniker rangetreten und wie waren die anfänglichen Reaktionen? Die Idee ist über einen längeren Zeitraum "gewachsen". Es gab Kontakt zur Tonhalle durch die Veranstaltungen "Tonfrequenz" die dort regelmäßig im Foyer stattfinden. Wir haben zudem unsere Releaseparty zu „Buddy Language“ in der Tonhalle gefeiert. Dann kam die Idee mit diesen ersten Kooperationen bei der Intendanz vorstellig zu werden und endlich mal, nach 10 Jahren zum ersten mal, PHONEHEADS live umzusetzen. Aber da dachten wir noch an eine Handvoll von Musikern. Klar war, dass wir auf jeden Fall Partituren schreiben lassen müssen, da wir das selber nicht leisten können. Also haben wir uns auf die Suche nach einer Person gemacht, die sowohl unsere Musik versteht als auch die Sprache der Symphoniker spricht. Mit Heike Beckmann - einer Komponistin und Pianistin aus Köln - war diese Person dann schnell gefunden. Heike hat schon öfter Arrangements für die Symphoniker geschrieben und ist dort also bekannt. Ihre Meinung zu unserem Projekt war allerdings: "Die Musik von Euch ist so intensiv und voluminös, dass wir ein ganzes Orchester brauchen um das umzusetzen. Mit ein paar Streichern und Bläsern kommen wir da nicht weit!" An diesem Punkt angekommen erschien das Projekt für uns nicht mehr realisierbar. Aber dann gab’s einen Termin mit der Tonhallen Intendanz und die Idee das ganze Projekt im großen Stiel umzusetzen stieß auf sehr positives Feedback!
Hattet ihr persönlich denn früher selber einen Bezug zu Klassik, wie z.B. Klavierunterricht? Philipp: Ich habe hauptsächlich durch meine Schwester (klassische Querflötistin) und meine Eltern "Kontakt" zu klassischer Musik gehabt. Bin aber trotz vielen Versuchen mich zu begeistern nie drauf angesprungen. Ich habe ein par Instrumente gespielt (Klarinette, Saxophon und auch etwas Klavier) habe mich aber damit nie wohl gefühlt. Am Ambitioniertesten war ich wohl mit dem Saxophon unterwegs, habe aber nie wirklich gut gespielt. Michael: Eigentlich habe ich keinen klassischen musikalischen Background. Ich höre sehr viel Musik, natürlich auch Klassik aber auch viel Filmmusik. Mein erstes Instrument (SH 101) hatte ich mit 21 in den Fingern. Das ist natürlich für eine Ausbildung, im Klassischen Sinne, viel zu spät. Seitdem hat mich das produzieren von Musik nicht mehr losgelassen. Heute habe ein wenig Klavierunterricht, und freue immer riesig über meine kleinen, etwas infantilen, Fortschritte.
Wie lange dauerten die Vorbereitungen und wie kann man sich diese vorstellen? Heike Beckmann schreibt jetzt seit Anfang Oktober die Noten für alle Musiker. Gespielt werden Stücke aus dem Phoneheads Repertoire - welche wird noch nicht verraten... Im Gegensatz zu vielen vorhergegangenen Beispielen wird es bei uns so sein, dass die Kompositionen sich nicht nur auf das abdudeln von Loops beschränkt, sondern dass tatsächlich neue Kompositionsteile, basierend auf unseren Harmonien, in die Stücke miteinfliessen. So nimmt Heike Beckmann in unsere Zusammenarbeit eine ganz wichtige Rolle ein und wir werden so versuchen tatsächlich zwei Welten interagieren zu lassen und eben nicht das Xte Rondo Veniziano Schmalz Konzert aufführen... Neben den Symphoniker stehen wir auf der Bühne und sorgen mit unsere "Band" für den elektronischen Part der Musik: Michael spielt mit Hilfe von Abelton Live alle synthetischen Sounds, die wir in den Stücken als wichtig erachten; Philipp wird mittels Plattenspielern (Serato) Beats mixen zu denen Sebastian Vogel (Drummer von KANTE) Live Drums spielt, Volker Bertelmann spielt Fender Rhodes und Franky übernimmt die Gitarren und Bass Parts.
Wie kam es zur Zusammenarbeit mit dem Londoner Künstler CLEVELAND WATKISS? Cleveland hat sein Soloalbum auf INFRACOM releast.. Dort waren wir früher auch gesignt. Wir haben ihn kennen gelernt, ihm Demos geschickt, er fands super und hat für zwei stücke texte geschrieben. So kam dann "Subject Beautiful" und "Roll That Stone" zustanden. Das war eine super unkomplizierte Angelegenheit...
Ihr sagt das wird euer erster und einziger Live-Auftritt sein... gilt das nur für diese Konstellation? Was die Zukunft bringt wissen wir nicht. Wir würden gerne, jetzt wo das Konzept steht und die Noten geschrieben sind, mit diesem Setup auf Festivals etc. auftreten. Da bleibt aber abzuwarten inwiefern das zu realisieren ist. Ich denke in diesem Umfang wird dass das einzige Konzert bleiben.
Was erwartet ihr für Publikum? Für reine Hörer der klassischen Musik, seid ihr doch sicher zu aggressiv, oder? Für Musikinteressierte wird das ein sehr spannender Abend. Für den konservativen Liebhaber purer klassischer Musik ist das vermutlich nicht nachvollziehbar. Fest steht, dass das Publikum sehr gemischt sein wird. Gerade das finden wir sehr spannend.
Drum and Bass war ja eine Zeit lang im Mainstream sehr aktuell. Leute wie GOLDIE oder RONI SIZE waren Popstars. Später ging es wieder in Richtung Underground. Wollt ihr mit eurem Konzert den Sound wieder in Richtung Pop steuern? Wir sind an Experimenten interessiert und nie Hardliner gewesen... Phoenheads waren immer schon ein Popentwurf im Genre Drum&Bass. Wir hatten nie Angst vor Vokals, Harmonien und Songstrukturen. Für uns ist das Konzert definitiv ein sehr spannender Schritt!
Wo seht ihr inzwischen Düsseldorf auf der Elektromusikalischen Deutschlandkarte? Es scheint hier ja immer mehr Veranstaltungen auf hohem Niveau zu geben, wenn man an die „Tonfrequenz“-Reihe in der Tonhalle oder das Open Source Open Air denkt. Wird es Zeit Köln vom Thron zu schubsen? Köln ist doppelt so groß wie Düsseldorf, hat jedes Wochenende mind 2 D&B Partys...Dann gibt’s noch Firmen wie Kompakt...Groove Attack... AMusik...C/O POP... Das ist absolut Konkurrenzlos zu Düsseldorf. Düsseldorf hat eine kleine schön verbundene Szene mit wenig Berührungsängsten. Hier ist es möglich sehr versatile Veranstaltungskonzepte anzubieten ohne Puristen zu verschrecken.. das zeigen z.B. genau die von dir erwähnten Events. Die Städte sind völlig unterschiedlich. Die Düsseldorfer Clublandschaft ist z.B. katastrophal, dafür gibt es tolle Räume wie den Salon des Amateurs und viel schöne Off Location Veranstaltungen.
Philipp du machst neben den PHONEHEADS noch das Label COMBINATION RECORDS, legst unter deinem eigenen Namen und als BOB BOBSEN auf und bist im Veranstalterstab des OPEN SOURCE FESTIVALS. Darf man dich als Workaholic beschreiben? Irgendwie kommt eins zum anderen und die Dinge entwickeln sich von selber. Aber neben den sehr arbeitsintensiven - vor allem was Organisation und Administration angeht - Projekten Combination Records und Open Source Festival bin ich total froh mit den Phoneheads jetzt auch inhaltlich wieder etwas ganz neues zu machen. Das ist immer spannend. das Wort Workaholic ist irgendwie doof und assoziiert bei mir vor allem Profitgier und Vernachlässigung des sozialen Umfelds... Darauf habe ich eher keinen Bock ;-)
Michael, können wir so einen musikalischen Schritt, wie mit den Düsseldorfer Symphonikern, auch von deinem Projekt SWIMMINGPOOL erwarten? Geplant ist erstmal nichts. Ich bin froh wenn dieses Experiment gut über die Bühne geht, und bis zum 10 jährigen von swimmingpool haben wir noch ein bisschen Zeit um uns was einfallen zu lassen.
http://www.phoneheads.de http://www.tonfrequenz.com http://www.tonhalle.de |